Menzel, Ulrich Die Ordnung der Welt - wissenschaft.de
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Menzel, Ulrich

Die Ordnung der Welt

Die Struktur der internationalen Beziehungen, also des Verhältnisses der Staaten und Nationen untereinander, war schon immer Gegenstand der Reflexion, geht es doch dabei oft um Fragen von Krieg und Frieden, von Wohlstand und Armut. Wie kann man verhindern, dass der Stärkere den Schwächeren einfach ausnutzt, ausraubt, oder, im schlimmsten Fall, sich einfach einverleibt? Völkerrecht ist die eine Antwort, also die Kodifikation bestimmter Verhaltensnormen im transnationalen Umgang mit‧einander. Es löst aber nicht das Problem, wie man die mächtigeren Staaten davon abhalten kann, diese Normen einfach zu ignorieren. Eine Weltregierung ist die andere, von Denkern wie Praktikern immer wieder vor‧gebrachte Idee. Ihr verdankt sich etwa die Gründung des Völkerbundes nach dem Ersten und die der UNO am Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde letztes Jahr 70 Jahre alt, und die Bilanz fällt gemischt aus. Zwar vermochte sie die oftmals beschriebene „Anarchie der Staatenwelt“ etwas einzuhegen, aber Recht auch gegen den Willen der großen Mächte durchzusetzen gelang ihr bisher nur bedingt, wie etwa die völkerrechtswidrige Invasion der USA in den Irak oder der Konflikt um die Ukraine und Russland seit der Annexion der Krim zeigt. Nach Meinung des Braunschweiger Politikwissenschaftlers und Historikers Ulrich Menzel sind nicht Völkerrecht und Weltregierung, historisch gesehen, die Schlüssel zur Einhegung der absoluten Anarchie der Staatenwelt, sondern die herausrragende Macht einzelner Staaten und Nationen in den letzten 1000 Jahren. Als Hegemon oder als Imperium hätten diese die transnationalen Beziehungen geprägt, wie er auf über 1000 ebenso gelehrten wie lesbaren Seiten anhand der Herrschaft Song-Chinas (960 –1204), der Pax Mongolica (1230 –1350), der Dominanz Portugals (1494 –1580), Spaniens (1515 –1649), der Niederlande (1609 –1713) und Frankreichs (1635 –1714) sowie des britischen Empire (1692 –1919) und schließlich der USA seit dem Ersten Weltkrieg erläutert. Diese großen Mächte hätten aus Eigeninteresse das Bedürfnis, in ihrem Einflussgebiet eine gewisse Rechtssicherheit zu garantieren, etwa durch das Aufstellen von Handelsregeln oder den Schutz gegen Freibeuter und Piraten, um nur zwei Beispiele zu nennen, von denen dann auch alle anderen Mächte profitierten. Allerdings löst auch das nicht das Dilemma, wie sich die kleineren Staaten gegen den Herrschaftsmissbrauch durch den jeweiligen Hegemon, das jeweilige Imperium schützen können, und der Leser denkt ganz automatisch etwa an den Skandal um die Tätigkeit der NSA und anderer Überwachungsorgane. „Mit diesem Buch will ich die Welt erklären“ und zeigen, „was die Welt im Innersten zusammenhält, wer für Ordnung sorgt in der Anarchie der Staatenwelt, in der es keine übergeordnete Instanz, keinen Weltstaat gibt, der mit einem internationalen Gewaltmonopol ausgestattet ist.“ Das ist vielleicht allzu vollmundig formuliert, eine faszinierende Lektüre bietet das Buch aber allemal: Jenseits aller normativen Ansprüche ist das Buch eine faszinierende globalgeschichtliche Betrachtung transnationaler Beziehungen.

Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

Menzel, Ulrich
Die Ordnung der Welt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015, 1228 Seiten, Buchpreis € 49,95
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