Küster, Hansjörg Die Ostsee – Eine Natur- und Kulturgeschichte - wissenschaft.de
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Küster, Hansjörg

Die Ostsee – Eine Natur- und Kulturgeschichte

Bereits mit einer „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ und einer „Geschichte des Waldes“ ist der Autor Hansjörg Küster an einen breiteren Leserkreis herangetreten, beide Male mit großem Erfolg. Der hier vorliegende Band über die Ostsee knüpft an die beiden anderen Bände an. Es geht Küster darum, am Beispiel des Ostseeraumes zu zeigen, wie eng Natur- und Kulturraum miteinander verbunden sind, daß jegliche Trennung von Natur und Kultur etwas Künstliches hat und daß damit letzten Endes Wissenschaft auch nicht Geisteswissenschaft versus Naturwissenschaft sein darf. In 20 Kapiteln wird die Landschaftsgeschichte von Ostsee und angrenzenden Gebieten dargestellt, von der kaltzeitlichen Entstehung bis zu den jüngsten Entwicklungen seit der politischen Wende der Gegenwart. Es gehören ein enormes Wissen und ein hohe Einfühlungsgabe dazu, eine solche Aufgabe zu meistern und dabei die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen (nicht nur der eigenen) so darzulegen, daß auch Nicht-Fachleute Nutzen daraus ziehen können. Zum Exempel wird Küster der Ostseeraum immer dann, wenn er Formen und Prozesse, auf die er bei seiner imaginären Reise durch Raum und Zeit stößt, als allgemeine Phänomene anspricht und erklärt. Da der große Gedankengang weitgehend chronologisch angelegt ist, wird ein weiter Bogen von der eiszeitlichen Entstehung des Ostseebeckens über die postglazialen Hebungs- und Senkungsvorgänge bis zum Erscheinen der ersten Menschen und zu deren sehr wechselvollen Einfluß auf die Landschaft geschlagen. Die Kulturgeschichte von der neolithischen Revolution und Seßhaftigkeit über die Reichsbildungen des Mittelalters bis zu Industrialisierung, Verstädterung und aktueller Transformation bildet einen zweiten Bogen, der sich jedoch nie von dem naturräumlichen Hintergrund löst, sondern sichtbar werden läßt, wie wenig „Natürliches“ der heutige Raum noch hat, wie vielfältig der wirtschaftende Mensch den Raum verändert hat. Diese Grundaussage ist nichts Neues, aber es gibt wenige Darstellungen, die diesen Gedanken so konsequent verfolgen. Einige kritische Bemerkungen sind aber auch nötig: Notwendigerweise müssen einzelne Prozesse der Landschaftsentwicklung über längere Zeiträume verfolgt werden, als es von der Kapiteleinteilung vorgesehen ist; dies hat ein gewisses Springen zwischen Zeiten zur Folge, das manchmal schwierig nachzuvollziehen ist. An mehreren Stellen werden Begriffserläuterungen erst Seiten später nachgeliefert, nachdem das besprochene Phänomen vorgestellt wurde. Manche Ausdrucksweisen hätten noch einen letzten Schliff verdient. Und hoffentlich ist dem Lektorat noch aufgefallen, daß auf S. 65 eine Textpassage der Abbildung zum Opfer fiel. Dennoch: Für jede Vorbereitung einer Reise an die Ostsee, aber auch für jeden Interessierten, der den Raum etwas besser verstehen will, liegt hier ein sehr geeignetes Werk vor.

Rezension: Stadelbauer, Jörg

Küster, Hansjörg
Die Ostsee – Eine Natur- und Kulturgeschichte
Verlag C. H. Beck, München 2002, 357 Seiten, Buchpreis € 34,90
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