MacCulloch, Diarmaid Die Reformation 1490-1700 - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

MacCulloch, Diarmaid

Die Reformation 1490-1700

Die historische Bedeutung der Reformation kann wohl kaum überschätzt werden. Beginnend im kleinen Wittenberg, fortgesetzt in den Niederlanden und in der Eidgenossenschaft, entwickelte die neue Lehre eine wahrhaft globale Wirkung, bis hin zu den hoffnungsvollen Auswanderern, die ihre je persönlichen Glaubensvorstellungen in der Neuen Welt zu realisieren suchten.

In seinem beeindruckenden, so voluminösen wie glänzend geschriebenen Werk „Die Reformation 1490–1700“ hat sich der in Oxford lehrende Professor für Kirchengeschichte Diarmaid MacCulloch mit der Reformation befasst. Der Untertitel der englischen Ausgabe, „Europe’s House Divided“, lässt erkennen, was ihre irreversible Konsequenz war: eine Glaubensspaltung in Katholiken und Protestanten. Doch der Autor spannt den Bogen bis 1700 und legt dar, dass nach den blutigen, verheerenden Religionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts eine Toleranz am Horizont aufdämmerte, die letztlich auch Ergebnis der Reformation sei.

Zu Beginn, um das Jahr 1500, steht eine Welt der bangen Endzeiterwartung und der vagen Reformhoffnung, die sich dabei noch ganz im Rahmen der „alten Kirche“ bewegte. Nur vor diesem Hintergrund spiritueller Verunsicherung wird die unglaubliche Sprengkraft der Lehre Martin Luthers verständlich, die sich, befördert durch den Buchdruck, wie ein Lauffeuer ausbreitete. Ihre Attraktivität lag nicht nur in dem Angebot neuer Glaubensgewissheit, sondern vor allem im „Priestertum aller Gläubigen“, das den Zugang zum Seelenheil für alle öffnete, ohne priesterliche Vermittlung.

Der Autor schildert anschaulich die Herausbildung der verschiedenen „Protestantismen“, das ihren Erfolg sichernde Zusammenwirken der Reformatoren mit der Obrigkeit, schließlich die Reformen innerhalb der katholischen Kirche, die letztlich zu ihrer Stärkung führten, sowie im Kapitel „Lebensmuster“ die Veränderungen, die die Reformation etwa in Bezug auf Familie und Ehe mit sich brachte. Besonders hervorzuheben ist der europäische Zuschnitt der Analyse, die Habsburg, Italien und Frankreich, England, Schottland, Polen oder Siebenbürgen umfasst.

Zu kurz kommen in dieser fulminanten Übersicht dennoch einige Aspekte. So wird man den religiösen Bewegungen der frühen Reformationsjahre 1521 bis 1524 nicht mit der Bezeichnung „Wildwuchs“ gerecht; hier fehlt eine ausführlichere Darstellung. Über die Beteiligung von Frauen an der Reformation hätte man gern Systematischeres gelesen, und schließlich bleibt das Kapitel über die Hexenverfolgung unbefriedigend, da es die soziale Dynamik des Phänomens ausspart.

Anzeige

Rezension: Talkenberger, Heike

MacCulloch, Diarmaid
Die Reformation 1490-1700
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, 1022 Seiten, Buchpreis € 49,95
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Wissenschaftslexikon

Ro|bin|so|na|de  〈f. 19〉 1 〈Lit.〉 Roman in der Art des ”Robinson Crusoe“ 2 Abenteuer eines Schiffbrüchigen ... mehr

Schnee|fink  〈m. 16; Zool.〉 ein Finkenvogel nackter Alpengipfel: Montifringilla nivalis

Na|gel|bett|ent|zün|dung  〈f. 20; Med.〉 Infektion des Nagelbettes mit Eitererregern

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige