DIE VENUS AUS DEM EIS - wissenschaft.de
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DIE VENUS AUS DEM EIS

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Autor: Nicholas J. Conard, Jürgen Wertheimer-xxx- Verlag: Knaus, München 2010-xxx- Seiten: 260 S.-xxx- ISBN: 978–3–813–50376–0-xxx- Buchpreis: € 22,95
Wie vor 40 000 Jahren unsere Kultur entstand

Wie dachten und fühlten Neandertaler und moderne Menschen vor 40 000 Jahren? Zwei Wissenschaftler haben sich an eine literarische Rekonstruktion gewagt. Ein „in dieser Form wohl einmaliges Projekt“ sollte es werden – eine neuartige „archäoliterarische“ Wissenschaftsfiktion. Das schreiben im Vorwort die Autoren: der Urgeschichtler Nicholas J. Conard und der Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer, beide an der Universität Tübingen.

Ist die „Venus aus dem Eis“, wie versprochen, ein „einmaliges Projekt“ geworden? Ich sage: Nein. Und empfehle gleichzeitig wärmstens, dieses interessante Buch zu lesen.

Die kraftvolle Erzählung um eine junge Neandertaler-Frau namens Khar spielt vor 40 000 Jahren, in den Höhlen der Schwäbischen Alb. Eben dort entdeckte Conards Grabungsteam Ende 2009 die älteste Menschendarstellung der Welt – die aus Mammut-Elfenbein geschnitzte „Venus vom Hohle Fels“. Sie ist der Höhepunkt in einer langen Reihe herausragender Funde von Tierfiguren, Tier-Mensch-Mischwesen und den ältesten Flöten der Welt.

Wie kam es zu diesem Ausbruch von Kunst? Um diese Frage haben die Autoren das Garn ihres Steinzeit-Epos gesponnen. Khar, die Neandertalerin, trifft auf die „anderen“: dunkelhäutige Einwanderer, anatomisch moderne Menschen. Sie lebt eine Weile bei ihnen, lernt von ihnen, entfaltet wie im klassischen Entwicklungsroman ungeahnte persönliche Stärken, wird zur Mittlerin zwischen den „anderen“ und ihrem Clan. Im Spannungsfeld dieser physischen und geistigen Auseinandersetzung lassen die Autoren die elfenbeinernen Mammuts, Wildpferde und Löwenmenschen entstehen.

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Die Geschichte ist fesselnd erzählt, es geht konfliktreich zu bis zum dramatischen Ende (kein Jugendbuch!). Eingestreute Erklär-Kapitelchen sollen Faktenwissen über die Eiszeit und die Steinzeitmenschen vermitteln. Doch ein „Sachbuchprojekt“ – wie der Verlag in einer Presseinformation behauptet – ist es deswegen keineswegs geworden. „Wie vor 40 000 Jahren unsere Kultur entstand“ (Untertitel des Buches), wird hier nicht bewiesen. Niemand wird je wissen, was damals wirklich geschah. Die Erzählung ist plausibel und kollidiert nirgendwo mit den archäologischen Fakten.

Aber so etwas haben – mit Verlaub – schon andere Autoren hingekriegt, etwa James Clavell („Shogun“) oder Gary Jennings („Der Azteke“): Sie haben für ihre historischen Romane viele Jahre penibel recherchiert, jedes Detail stimmt. Es ist unnötig, hier eine (angeblich) neue literarische Gattung zu erfinden. Die „Venus“ hat auch so ihre Qualitäten.

Thorwald Ewe

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