Großmann, G. Ulrich Die Welt der Burgen – Geschichte, Architektur, Kultur - wissenschaft.de
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Großmann, G. Ulrich

Die Welt der Burgen – Geschichte, Architektur, Kultur

Burgen prägen das moderne Bild vom Mittelalter. Als Ruinen oder als wiederaufgebaute Imaginationen alter Burgenherrlichkeit genießen sie große Aufmerksamkeit. Mit diesem Buch legt einer der besten Kenner ihrer Baugeschichte die Zusammenschau jahre‧langer Forschungen vor.

G. Ulrich Großmanns weite Definition von Burg als adligem Befestigungsbau lässt die Präsentation vieler Monumente vor allem aus dem deutschen Sprachraum in Längs- und Querschnitten zu. Eindrucksvoll sind die reichbebilderten Kapitel über Aufgaben, Bautechnik, Bauteile, Formen und Funktionen, ergänzungsbedürftig dagegen die Passagen zu Geschichte und Recht. Damit werden Aufgaben künftiger interdisziplinärer Burgenforschung deutlich. Neue Impulse könnten Überblicksdarstellungen von Joachim Ehlers zu den Rittern oder von Steffen Patzold zum Lehnswesen (beide im Verlag C. H. Beck) geben. In ihnen wird die neue Brüchigkeit alter Lehrmeinungen der Geschichtswissenschaft eindrucksvoll beschrieben.

Großmanns grundlegendes Buch besticht durch wiederholte Präzisierung der Begrifflichkeiten (etwa zum Wortgebrauch von „Palas“) und durch zahlreiche Revisionen der älteren Bauforschung. Wir müssen uns von der Stauferburg als der klassischen Burg des Mittelalters ebenso verabschieden wie von der vielbeschworenen Zäsur des ausgehenden Mittelalters, als das Aufkommen von Feuerwaffen das ältere Verteidigungsmodell Burg angeblich überflüssig gemacht hat. Trotz des Siegeszugs von Schloss oder Festung zeigt Großmann eine erstaunliche Beharrlichkeit der Burgen über das Jahr 1500 hinaus.

Bei ihm tritt dagegen das 18. Jahrhundert als entscheidende Epoche des Funktionswandels hervor. Nur wenig später stilisierte das 19. Jahrhundert die Burg zum Mythos. Dieser brachte in Restaurierung, Konservierung oder romantisierenden Neubauten (Neuschwanstein) ein Idealbild der mittelalterlichen Burg hervor und beförderte den modernen Burgentourismus. Dabei überlebte die Burg auch ihre nationale Indienstnahme im deutschen Kaiserreich (Hohkönigsburg im Elsass) oder im NS-Deutschland (Trifels), das sich im Neubau von SS-Ordensburgen eine eigene, beklemmende Burgenwelt schuf.

Heute, im Zeitalter Harry Potters, begegnen uns Burgen vor allem als Symbole einer phantastischen Vergangenheit. Begleitet wurde diese lange Entwicklung durch eine interessegeleitete Burgenforschung, deren Geschichte Großmann am Schluss darstellt. Sein wichtiges Buch zeigt, dass die Burgen niemals eine eigene Welt bildeten. Vielmehr blieben sie immer in die vielen Welten ihrer Erbauer, Besitzer und Benutzer eingebunden.

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Rezension: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller

Großmann, G. Ulrich
Die Welt der Burgen – Geschichte, Architektur, Kultur
C. H. Beck Verlag, München 2013, 304 Seiten, Buchpreis € 26,95
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