Fricke, Eberhard Die westfälische Veme im Bild – Geschichte, Verbreitung und Einfluß der westfälischen Vemegerichtsbarkeit - wissenschaft.de
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Fricke, Eberhard

Die westfälische Veme im Bild – Geschichte, Verbreitung und Einfluß der westfälischen Vemegerichtsbarkeit

Eberhard Fricke untersucht in seinem Buch „Die Westfälische Veme im Bild“ die Rechtspraxis der mittelalterlichen Freigerichte.

Als Veme wurde die geheime Gerichtsbarkeit im deutschsprachigen Raum des Heiligen Römischen Reichs bezeichnet. Dieses Strafgericht unterstand direkt dem Herrscher. Verhandelt wurden Fälle von Mord, Totschlag, Meineid, Raub, schwerer Diebstahl sowie Gewalttaten gegen die Kirche und Geistliche.

Schon zeitgenössische Quellen bezeichnen die Vemejustiz als eine typische westfälische Gerichtsbarkeit, die außerhalb der Grenzen oft auf Unverständnis traf. Das Buch beginnt mit der Legende, nach der Papst Leo III Kaiser Karl dem Großen den Vorschlag machte, eine geheime Gerichtsbarkeit einzusetzen, um in seinem Land den Frieden zu erhalten. Diese mittelalterliche Geschichte kann der genaueren historischen Betrachtung nicht standhalten. Tatsächlich entstand die Veme „aus dem Richten unter dem Königsbann“, wobei das Wort Veme selbst erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Gebrauch kam. Ihre Blütezeit hatte die geheime Gerichtsbarkeit vom 14. bis zum 15. Jahrhundert, wobei die Zuständigkeitsbereiche kontinuierlich zunahmen. So war es etwa seit dem 15. Jahrhundert auch für Geldschulden zuständig. Kam ein Kläger zu dem zuständigen Freigrafen und brachte seine Klage ein, so mußte der Freigraf, der das Amt eines Richters inne hatte, das Gericht organisieren, den Termin bestimmen und am Gerichtstag den Wahrspruch finden. Befand man den Angeklagte für schuldig, wurde er je nach Stand gehängt oder enthauptet, beziehungsweise war der Angeklagte vogelfrei. Juden durften die Veme nicht in Anspruch nehmen, da sie keine Christen waren. Der Autor liefert eine sehr genaue und anschauliche Darstellung der westfälischen Gerichtsbarkeit. So erklärt er genau die einzelnen Schritte des Vemegerichts und die damit verbundenen Ämter. Unterstützt wird sein Text von zirka 400 Bildern beziehungsweise Urkunden, die mit den detaillierten Bildbeschriftungen zu den einzelnen Darstellungen wunderbare Einblicke in die Rechtspraxen verschiedener Zeiten geben.

Rezension: Christine Gamper

Fricke, Eberhard
Die westfälische Veme im Bild – Geschichte, Verbreitung und Einfluß der westfälischen Vemegerichtsbarkeit
Aschendorff Verlag, Münster 2002, 336 Seiten, Buchpreis € 34,80
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