Ribhegge, Wilhelm Ersasmus von Rotterdam - wissenschaft.de
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Ribhegge, Wilhelm

Ersasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam (1467–1536) gilt als der europäische Intellektuelle par excellence. Zu seiner Zeit war er der berühmteste. Mit seinen Briefen – davon sind 3200 erhalten – und Reisen knüpfte er ein einzigartiges Netzwerk zu Fürstenhöfen und Gelehrten ganz Europas zwischen England und Italien.

Das Verbindende dieser „res publica litteraria“ war seit Petrarca der Humanismus, die Idee, Bildung und Gesellschaft durch eine neuartige Aneignung der Antike zu modernisieren und zugleich – innigstes Anliegen des Erasmus – die christliche Religion zu reformieren. Als universales Medium der Kommunikation und des Denkens diente, wie im Mittelalter, das Lateinische, nun aber in einer klassisch erneuerten Form. Niemand beherrschte es so elegant wie Erasmus, und er schrieb es Tag und Nacht. Produktiv bis zur Getriebenheit, publizierte er Editionen der Bibel und zahlreicher antiker Klassiker; die neue Ausgabe seiner Werke ist auf 100 Bände angelegt, dar-unter Bestseller wie das „Lob der Torheit“, seine „Gespräche“ (Colloquia) oder die „Klage des Friedens“.

Man kennt sein Gesicht von den Porträts Holbeins: abgezehrt, klug, ironisch. Die Reformation begrüßte er zunächst, dann trat er Luther mit dem Traktat „Über den freien Willen“ entgegen, dem der Reformator mit der Gegenschrift „Vom knechtischen Willen“ antwortete – Programme zweier divergenter Menschenbilder.

Vereinnahmen aber ließ Erasmus sich nicht: „Ich liebe die Freiheit, und ich will und kann nicht irgendeiner Partei dienen.“ Er erlebte noch die Hinrichtung seines Freundes Thomas Morus und starb 1536 in Basel, just als Papst Paul III. ihm den Kardinalshut verleihen wollte.

Anders als in England oder in den Niederlanden, wo er als Vater der Aufklärung und des liberalen Denkens gilt, spielte Erasmus in der nationalprotestantisch geprägten deutschen Geschichtsschreibung neben dem Heros Luther eine geringe Rolle. Hier setzt Wilhelm Ribhegges neue Biographie ein. Dem emeritierten Professor für Neuere Geschichte in Münster und ausgewiesenen Erasmus-Kenner (unter anderem durch das seit 1992 betriebene Projekt „Erasmus und Europa“) gelingt mit diesem Buch ein farbiges und gut lesbares Lebensbild. Es beruht weniger auf neuen Forschungen als auf einer geschickten Lektüre der Werke des Humanisten und der unübersehbaren Berge der Erasmus-Literatur, die er in Anmerkungen angemessen belegt.

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Ribhegge stellt sich in die Tradition zahlreicher älterer biographischer Versuche von Johan Huizinga, Cornelis Augustijn, Léon E. Halkin oder Jean-Claude Margolin. Die gültige Erasmus-Biographie gelingt ihm ebenso wenig wie seinen Vorgängern, aber doch ein guter Zugang zu dieser universalen Figur unserer europäischen Geistestradition.

Rezension: Prof. Dr. Johannes Helmrath

Ribhegge, Wilhelm
Ersasmus von Rotterdam
Primus Verlag, Darmstadt 2010, 278 Seiten, Buchpreis € 29,90
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