Mente, Michael Essen, Alltag und Verwaltung im Kloster – Das „Kreuzlinger Küchenbuch" von 1716: Text, Kommentar und Auswertung - wissenschaft.de
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Mente, Michael

Essen, Alltag und Verwaltung im Kloster – Das „Kreuzlinger Küchenbuch“ von 1716: Text, Kommentar und Auswertung

Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens hat in letzter Zeit immer mehr Beachtung in der Wissenschaft gefunden. Das Werk „Essen, Alltag und Verwaltung im Kloster. Das „Kreuzlinger Küchenbuch“ von 1716. Text, Kommentar und Auswertung“, das Michael Mente im Jahr 2004 als Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich einreichte, zeigt, daß über die enge ernährungswissenschaftliche Analyse hinaus auch Erkenntnisse über gesellschaftliche Ordnung und Verwaltung gewonnen werden können.

Im Werk enthalten ist als zweiter Band die textkritische Edition der im Thurgauer Staatsarchiv befindlichen Handschrift des sogenannten „Kreuzlinger Küchenbuch“, das im Original mit „Handtbuch vor einen jeweiligen Creüzlingerischen kuechen- keller- unndt proviantmaister“ überschrieben ist. Vermutlich verfaßte der Küchenmeister Gaudentius Schropp aus Mindelheim im Jahr 1716 das „Kreuzlinger Küchenbuch“.

Man könnte jetzt meinen, es handle sich um eine Art Rezeptbuch aus der Klosterküche. Dagegen ist die Bezeichnung „Küchenordnung“ zutreffender, da auf den 150 Seiten der Handschrift festgelegt wird, wer, wann, wo und was im Augustiner-Chorherrenstift Kreuzlingen zu Essen bekommt. Laienbrüdern und Bediensteten wurden beispielsweise Schwarzbrot und Wein schlechter Qualität aufgetischt, während am Herrentisch Weißbrot gegessen wurde. Das „Kreuzlinger Küchenbuch“ gibt somit Auskunft über die Hierarchie im Chorherrenstift und damit letzlich auch über die gesellschaftliche Ordnung der damaligen Zeit.

Das „Kreuzlinger Küchenbuch“ gliedert sich in vier Bücher: Das erste Buch handelt vom Küchenmeisteramt und geht darauf ein, wer an welchem Tisch zu sitzen hatte, was ihm serviert wurde und was an welchen Tagen gekocht wurde. Das zweite Buch ist ausschließlich der Brotausgabe, für die der Proviantmeister zuständig war, gewidmet. Ähnlich aufgebaut ist das dritte Buch über den Wein, der vom Kellermeister verwaltet wurde. Das vierte Buch schließlich beinhaltet eine Abrechnung über den Brotumsatz im Jahr 1715.

Michael Mente kommentiert im ersten Band den Text; dabei hätte er den deskriptiven Teil, der eigentlich hauptsächlich aus einer Zusammenfassung des Inhalts der Quelle besteht, etwas kürzer fassen können. Dafür hätte man sich als Leser im zweiten Teil „Themen, Fragen und Ausblick“ etwas mehr vom versprochenen Blick über den Tellerrand erwartet. Aber da eine Monographie über das Kreuzlinger Chorherrenstift noch aussteht, ist dieses Manko vielleicht auch der Forschungslücke anzulasten. Für die mühevolle Arbeit der Edition einer Quelle, die Aufschluß auf die Verwaltung und Ordnung in einem frühneuzeitlichen Kloster gibt, ist dem Autor jedenfalls zu danken.

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Rezension: Hauff, Andrea

Mente, Michael
Essen, Alltag und Verwaltung im Kloster – Das „Kreuzlinger Küchenbuch“ von 1716: Text, Kommentar und Auswertung
Chronos Verlag, Zürich 2005, 447 Seiten, Buchpreis € 38,80
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