Hose, Martin Euripides – Der Dichter der Leidenschaften - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Hose, Martin

Euripides – Der Dichter der Leidenschaften

Vom Dichter Euripides kennen wir die Lebenszeit (ca. 480 – 406 v.Chr.), sonst so gut wie nichts – außer den 18 von ihm überlieferten Stücken. Davon also hat ein Buch über ihn zu handeln. Der Autor Martin Hose tut es in kurzen, geschickten Interpretationen der einzelnen Dramen. Die vielen Streitfragen, die die Philologie beschäftigen, bleiben beiseite. Was sich aus ihnen an unterschiedlichem Verständnis ergibt, wird zum Teil in Form von Fragen einbezogen, um den Horizont der Deutungsmöglichkeiten besser abzustecken.

Der Autor findet ein „beständiges, ein kontinuierliches Experimentieren mit Formen und Problemen“. Eine Weile geht es zum Beispiel um Rollenkonflikte. Dann nötigt der Peloponnesische Krieg neue Fragen auf. Bald darauf sieht man die Konstruktion der Handlung auf die Selbstzerstörung des Helden hinauslaufen. Oder es wird die Zerstörung der Polis zum eigentlichen Thema. Hose spricht von „Versuchsanordnungen …, die immer wieder neue Facetten des Menschen ans Licht bringen“. Euripides habe, so Nietzsche, die Zuschauer auf die Bühne geholt: Sie fanden dort nichts als sich selbst und ihresgleichen. Bezüge zu Politik und intellektuellen Debatten der Zeit werden ebenso herausgearbeitet wie anthropologische Probleme der Griechen (Geschlechterrollen, Rache).

So ist ein sehr interessantes, nützliches Buch entstanden. Die Tragödien waren „Seismographen“, die die Erschütterungen Athens aufzeichneten. Vielleicht hätte man diesen Aufzeichnungen noch mehr Interesse schenken können. Entsprechend der Absicht des Buchs, die Dramen „einer Leserschaft des 21. Jahrhunderts vorzustellen, die nicht aus Philologen besteht“, werden verschiedene althistorische Voraussetzungen eigens dargelegt. Leider bleiben aber zahlreiche philologische Fachausdrücke unerläutert. Was ist zum Beispiel eine „amoibaische Klageszene“, was sind „daktyloepitritische Verse“?

Rezension: Meier, Chrsitian

Hose, Martin
Euripides – Der Dichter der Leidenschaften
Verlag C. H. Beck, München 2008, 256 Seiten, Buchpreis € 24,90
Anzeige
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Wissenschaftslexikon

♦ Hy|bri|di|sa|ti|on  〈f. 20; Biol.〉 das Hybridisieren, Kreuzung [→ Hybride ... mehr

♦ Me|trik  〈f. 20; unz.〉 1 Lehre vom Vers u. den Versmaßen, kunstgerechter Gebrauch der Versmaße, Verslehre 2 〈Mus.〉 Lehre vom Takt, Metrum ... mehr

Bor|was|ser  〈n. 13; unz.; Chem.〉 Lösung von Borsäure in Wasser

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige