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Greg Woolf

Faszinierende antike Metropolen

dam0722bue03.jpgUnmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg ist Max Weber in seiner erst 1921 postum veröffentlichten Schrift „Die Stadt“ der Frage nachgegangen, warum trotz der globalen Verbreitung dieses Phänomens nur im Westen ein sich selbst verwaltendes städtisches Bürgertum entstanden ist.

Fast genau 100 Jahre später erscheint in deutscher Übersetzung die große Darstellung „Metropolis“ des britischen Althistorikers Greg Woolf, die nicht nur den Gründen von „Aufstieg und Niedergang antiker Städte“ vom Ende der Bronzezeit bis zum Beginn des Mittelalters nachgeht, sondern grundsätzlich zu klären versucht, warum „stadtbewohnende Menschen“ im Lauf der letzten 10 000 Jahre viele andere Menschen „verdrängt“ haben. Dazu greift Woolf weit über den europäischen Mittelmeerraum hinaus und untersucht andere frühe städtische Organisationen von Asien bis Amerika.

Wie Weber sieht Woolf, dass das Verständnis dessen, was als Stadt wahrgenommen wird, abhängig von den jeweiligen Kulturbedingungen ist. Aber eine soziologische Perspektive entwickelt er nicht. Im englischen Original hat das Buch den programmatischen Untertitel „A Natural History“ – und genau darum geht es: eine Geschichte antiker Städte, die nicht primär auf der Auswertung schriftlicher und archäologischer Zeugnisse beruht, sondern die Forschungen der Humangeographie, Umweltwissenschaften und Archäogenetik einbezieht.

Die Anfänge städtischen Lebens sucht Woolf in der neolithischen Revolution im frühen Holozän. Aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern und Viehzüchter. Damals sei der homo sapiens zum homo urbanus geworden, der sich nun intensiv mit dem „Nestbauen“ beschäftigte. Die Stadt als Modell menschlicher Organisation setzte sich durch, weil urbane Gesellschaften über deutliche „Wettbewerbsvorteile“ verfügten. Dennoch lebte die überwiegende Zahl der Menschen in der Mittelmeerwelt in kleinen Dörfern.

Woolf schreibt keine Erfolgsgeschichte antiker Städte. Zu Recht weist er auf das häufige Scheitern urbaner Experimente hin. Zudem entstanden die überwiegend kleinen Städte in der Mittelmeerregion erst relativ spät. Wichtig ist Woolf aber ein anderer Punkt: Urbanes Leben ist für ihn kein Teil des zivilisatorischen Fortschritts; zivilisatorische Errungenschaften sind vielmehr das Ergebnis der zufälligen Fähigkeit des Menschen, in Städten zu leben.

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Woolf befasst sich größtenteils mit antiken Städten im letzten Jahrtausend vor und im ersten Jahrtausend nach Beginn unserer Zeitrechnung. Er zeichnet faszinierende Porträts antiker Metropolen, rekonstruiert die vielfältigen Interdependenzen von Städten und Imperien, charakterisiert die urbanen Zentren als erfolgreiche Instrumente monarchischer Herrschaft und wirft einen Blick auf die „Enturbanisierung“ am Ende der Antike.

Mitten in der globalen Krise der Megacities wirbt Woolf engagiert für seine Überzeugung, dass die Erfindung der Stadt kein Sündenfall gewesen ist. Städte seien „offensichtlich Lösungen für verschiedenartige Probleme“ und „Ausdruck einer bestimmten Dimension des Menschseins“. Damit sind Webers Überlegungen zur Singularität des Stadtbürgertums in Europa wohl dennoch nicht überflüssig geworden.

Rezension: Prof. Dr. Stefan Rebenich

Greg Woolf
Metropolis
Aufstieg und Niedergang antiker Städte
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2022, 607 Seiten, € 35,–

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