Barbara Beuys Filmpionierin und „Neue Frau“ - wissenschaft.de
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Barbara Beuys

Filmpionierin und „Neue Frau“

Die dänische Schauspielerin Asta Nielsen (1881–1972) ist heute wohl vor allem Filmwissenschaftlern bekannt – zu Unrecht, wie Barbara Beuys in ihrer Biographie herausarbeitet. Denn die Nielsen war nicht nur eine Pionierin des frühen Films, sondern in ihrem Lebensentwurf auch eine emanzipierte und selbstbewusste Künstlerin, die sich in der von Männern dominierten Filmwelt mit ihren Vorstellungen durchzusetzen wusste.

Ein Leben lang versuchte sie daher auch, die Kontrolle über ihre Person zu behalten. In zwei Autobiographien und zahlreichen Artikeln und Interviews war sie bestrebt, die Deutungshoheit über ihr Leben und Werk zu behalten, sie erfand Mythen, ließ ganze Zeiträume aus und verschwieg konsequent die Existenz ihrer unehelichen Tochter. Zwar schilderte sie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit ihrem Landsmann, dem Filmregisseur Urban Gad, erwähnte aber mit keinem Wort, dass sie viele Jahre verheiratet waren.

Keine leichte Aufgabe also für eine Biographin, die Beuys mit dieser ersten umfassenden Lebensgeschichte der Künstlerin aber geschickt löst, indem sie immer wieder auf Lücken und Widersprüche hinweist. So liest sich ihr Buch, das sich zudem auf bisher unveröffentlichte Briefe und Dokumente stützt, auch als eine fast detektivische Spurensuche.

Die große Zeit der Asta Nielsen waren die 1910er und 1920er Jahre, als sie als „Duse der Filmkunst“ und „göttliche Asta“ bewundert wurde. Gleich mit ihrem ersten, noch in Dänemark gedrehten Film „Abgründe“ (1910) machte sie Furore: Mit einer unerhörten Sinnlichkeit umtanzte sie ihren Filmliebhaber, einen Gaucho, und fesselte ihn dabei mit seinem Lasso – die zügellose Liebeslust dieses „Gaucho-Tanzes“ beschäftigte die Zensurbehörden in vielen Ländern. Nach weiteren Erfolgen in Dänemark lockte sie die deutlich finanzkräftigere deutsche Filmindustrie nach Berlin, wo die totale Vermarktung ihrer Person einsetzte.

Schlaksig, mit schwarzem Haar und dunklen Augen, entsprach die Nielsen äußerlich keineswegs dem Klischee der blonden Dänin. In ihren Filmrollen gab sie sich international und absolut modern, brach häufig aus den gesellschaftlichen Konventionen aus. Als neue, selbstbestimmte Frau der Moderne eroberte sie sich Freiräume sowohl in ihrem Beruf als Schauspielerin als auch in ihrem Privatleben.

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Mit dieser Biographie gelingt es Barbara Beuys, die von Asta Nielsen um ihre innersten Gefühle gezogene Mauer einzureißen und sie außerdem als Pionierin eines neuen Frauenbildes in Erinnerung zu rufen. Zudem werden die filmgeschichtlichen Entwicklungen, an denen Asta Nielsen maßgeblich beteiligt war, allgemeinverständlich und anschaulich vorgestellt.

Rezension: Jeanpaul Goergen

Barbara Beuys
Asta Nielsen
Filmgenie und Neue Frau
Insel Verlag, Berlin 2020, 447 Seiten, € 25,–

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