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Laudage, Johannes

Friedrich Barbarossa – Eine Biografie

Friedrich Barbarossa wurde im 19. Jahrhundert zum Nationalmythos stilisiert; sein Bild rückte deshalb tief in den Schatten jener Fragen, die damals bewegten. Das war vor allem die nach den Ursachen der verspäteten Gründung eines deutschen Nationalstaats, die man gern auf den Bedeutungsverlust des deutschen Königtums im Mittelalter zurückführte. Deshalb bemaß sich das historische Urteil über die Herrscher daran, wie sehr sie das Königtum gegen päpst-liche wie fürstliche Interessen verteidigt und dabei die mon-archische Zentralgewalt gestärkt haben.

Unter solcher Perspektive betrachtet, war Barbarossa mit seinen langjährigen Kämpfen gegen oberitalienische Kommunen und Papst Alexander III., aber auch mit der Absetzung Heinrichs des Löwen, des Herzogs von Sachsen und Bayern, und dem Kreuzzug, auf dem er 1190 im Saleph ertrank, ein vieltraktiertes Thema der Mittelalterforschung. Mittlerweile weiß man sehr genau, dass dies Probleme des 19., nicht die des 12. Jahrhunderts waren, und der Weg ist frei, den Kaiser als Repräsentanten einer fremdartigen Welt zu verstehen, dessen auf personalen Bindungen beruhende und in symbolischen Akten inszenierte Herrschaftsausübung keiner modernen Rationalität gehorchte.

Sehr zu Recht sieht Laudage den Staufer deshalb als Vertreter einer ritterlich-höfischen Welt. Aber er macht diese Einsicht nicht zum Fluchtpunkt seiner Darstellung, sondern bleibt hinsichtlich des Verhältnisses Barbarossas zum Papsttum und zu den oberitalienischen Kommunen einer recht vordergründigen ideengeschichtlichen Sicht verpflichtet; der Sturz Heinrichs des Löwen erscheint ganz im Licht des Dualismus zwischen Fürsten und König, einer ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert vertrauten Sichtweise. Entsprechend abstrakt geraten weite Passagen, und entsprechend wenig Funken werden aus der höchst lebendigen kulturwissenschaftlich inspirierten Forschungsdiskussion der letzten Jahre geschlagen.

Das Buch hat eine tragische Entstehungsgeschichte: Johannes Laudage wurde im Januar 2008 durch einen tödlichen Unfall aus dem Leben gerissen, bevor er sein Werk vollenden konnte. Aus diesem Grund fehlt ein Kapitel über Barbarossas fünften Italienzug (1174–1178) mit zentralen Ereignissen wie Barbarossas Niederlage bei Legnano oder seinem Friedensschluss mit Papst Alex‧ander III. Wäre es ihm vergönnt gewesen, hätte Laudage diese wichtigen Bausteine in sein Gebäude sicher ebenso eingefügt wie manche inhaltlichen Ungleichgewichte, Widersprüche und sprachlichen Unebenheiten noch beseitigt. So ist das aus dem Nachlass des Verstorbenen herausgegebene Buch leider in verschiedener Hinsicht ein Torso.

Rezension: Prof. Dr. Knut Görich

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Laudage, Johannes
Friedrich Barbarossa – Eine Biografie
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009, 399 Seiten, Buchpreis € 34,90
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