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Hunt, Tristram

Friedrich Engels – Der Mann, der den Marxismus erfand

In einem in der DDR kursierenden Witz antwortete ein von einer Parteischulung zurückgekehrter Arbeiter auf die Frage seiner Kollegen, was er denn gelernt habe, nach einigem Zögern: „Marx-Engels, das sind zwei Personen!“ Der Marxismus-Leninismus hatte dabei Friedrich Engels auf den Stichwortgeber und Nachlassverwalter von Karl Marx reduziert. Der britische Historiker Tristram Hunt zeigt in seiner neuen Biographie zu Recht, dass dieses Bild dem 1820 im rheinpreußischen Barmen geborenen Fabrikantensohn in keiner Weise gerecht wird. Als Politiker, Unternehmer, Publizist und Journalist setzte Engels eigene Akzente. Annähernd 20 Sprachen beherrschend, korrespondierte der Weltbürger mit seinen internationalen Briefpartnern in deren Muttersprache. Hunt zeigt Engels in allen seinen Widersprüchen: Sozialrevolutionär auf der einen Seite, Bonvivant und Bourgeois, der an Fuchsjagden der englischen Oberschicht teilnahm, auf der anderen Seite. Seine Sozial- und Gesellschaftskritik schöpfte der junge Engels aus der unmittelbaren Anschauung der Industrialisierung. Seine „Briefe aus dem Wuppertal“ von 1839 zählen zu den frühesten Beschreibungen eines deutschen Industriegebiets. Bekannt wurde er durch seine erschütternde Sozialreportage über „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, die auf eigenen Beobachtungen in Manchester beruhte, damals Zentrum der industriellen Welt. Mit seinen „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“ von 1844 hat er Marx nachhaltig beeinflusst. Mit Karl Marx, mit dem er seit 1844 eng befreundet war, verfasste Engels über 100 Schriften, darunter die „Deutsche Ideologie“ und das „Manifest der Kommunistischen Partei“.

Mit 49 Jahren zog sich Engels als Privatier, der von seinen Aktien leben und auch der Familie Marx eine Jahresrente gewähren konnte, aus dem Berufsleben zurück. Seinen Wohnsitz verlegte er 1870 nach London. Zuvor hatte er in Manchester gelebt, wo er nach dem Scheitern der Revolution von 1848 zuerst als Angestellter und dann als Teilhaber eines Textilunternehmens einer „bürgerthümlichen Thätigkeit“ nachgegangen war. Den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 analysierte er in einer umfangreichen Artikelserie, die ihm den Spitznamen „General“ eintrug. In verständlichen Schriften machte er Marx populär, wehrte sich aber zugleich gegen jede doktrinäre Auslegung von dessen Schriften. Über sein Verhältnis zu Karl Marx schrieb Engels einmal in allzu großer Bescheidenheit: „Ich bin Marxens Adjutant. Das Talent neben dem Genie.“ Dabei hatte Engels eine gelehrte Ausstrahlung. Ein russischer Schriftsteller, der Engels 1895 acht Wochen vor dessen Tod aufsuchte, beschrieb ihn als einen „alten Mann von hohem Wuchs“ mit „sympathisch wirkenden Gesichtszügen“ und einem „freundlich-schalkhaften Lächeln“, der einem „emeritierten Professor“ gleiche.

Rezension: Dr. Jürgen Herres

Hunt, Tristram
Friedrich Engels – Der Mann, der den Marxismus erfand
Propyläen Verlag, Berlin 2012, 573 Seiten, Buchpreis € 24,99
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