Früher war alles schlimmer - wissenschaft.de
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Früher war alles schlimmer

„Wissen ist besser als Aberglaube und Ignoranz.“ Mit dieser Maxime beschließt Steven Pinker, Harvard-Professor für Psychologie, sein Lob des Fortschritts. Zuvor hat er auf 600 Buchseiten beschrieben und erklärt, warum die heutige Welt die beste in der Geschichte der Menschheit sei.

Dabei leugnet Pinker nicht die realen Gefahren des Klimawandels und verschließt auch nicht die Augen vor Armut, Kriegen und Terrorismus. Doch er belegt in 17 Kapiteln und mit 75 eindrucksvollen Infografiken, dass es immer mehr Menschen immer besser geht, dass es weniger Seuchen und Kriegsopfer als in früheren Jahrhunderten gibt, dass die Lebenserwartung in den meisten Ländern zugenommen hat und dass Alphabetisierung und Gleichstellung sich global verbessert haben. Für die, die ihm nicht glauben wollen, gibt es einen Anhang mit 140 Seiten Quellen und Nachweisen.

Warum aber überwiegen in den Medien die Katastrophenmeldungen? Pinkers Schlüsselsatz lautet: „Nachrichten behandeln Dinge, die geschehen, aber nicht Dinge, die nicht geschehen.“ Die Menschen lesen Berichte über abgestürzte, nicht aber über gut gelandete Flugzeuge. Beispielhaft vergleicht Pinker, wovor Menschen sich ängstigen – und wo die wirklichen Risiken liegen: In Westeuropa kamen im Jahr 2014 insgesamt 175 Menschen bei Terroranschlägen ums Leben. Das ist ohne Zweifel schrecklich. Aber: Im selben Jahr wurden hier 3962 Menschen ermordet – zumeist von Landsleuten. Und bei Verkehrsunfällen starben 19 219 Menschen. Es ist also 100 Mal so wahrscheinlich, auf der Autofahrt zu einem Volksfest zu Tode zu kommen, als dort durch einen Anschlag.

Seine zuweilen polemische Klage über die Verlustängste saturierter Bürger und seine Beschreibung der Welt jenseits der täglichen Schreckensszenarien umrahmt Pinker mit Betrachtungen über die Segnungen von Wissenschaft und Humanismus. 300 Jahre, nachdem Denker wie Hume und Diderot, Rousseau und Voltaire den Weg aus dem geistigen Mittelalter auf den Pfad der Vernunft gewiesen haben, sei es nun höchste Zeit für eine „zweite Aufklärung“. Frei nach Kant: „Wage es, selbst zu denken.“ Ein Buch, das Mut macht.

Steven Pinker
Aufklärung jetzt
S. Fischer, 736 S., € 26,–, ISBN 978–3–10–002205–9
E-Book für € 22,99, ISBN 978–3–10–403068–5

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