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Ronald G. Asch

Gab es eine Chance für Frieden?

damals Buch [Frieden] Der Dreißigjährige Krieg, an dem zahlreiche europäische Mächte beteiligt waren, nimmt in der kollektiven Erinnerung namentlich der Deutschen einen festen Platz ein. Das hängt mit der lange nachwirkenden religiösen Spaltung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zusammen, aber auch mit der Popularität großer Feldherren wie Wallenstein oder Tilly.

Wie aber sah Europa vor dieser größten Kriegskatastrophe der frühen Neuzeit aus? Lief die Entwicklung wirklich unausweichlich auf eine Eskalation zu? Gab es keinerlei Bestrebungen, bestehende Konflikte zwischen den Konfessionslagern zu lösen? Diese Fragen stehen im Zentrum des neuen Buchs von Ronald G. Asch, einem ausgewiesenen Kenner des europäischen Staatensystems und der höfischen Welt des 16. und 17. Jahrhunderts.

Dem renommierten Freiburger Historiker geht es vor allem um die Vermittlungsbemühungen, die auf eine Eindämmung der religiösen Spannungen abzielten und auf längere Sicht die Vision eines tragfähigen Friedens boten. Der verbreiteten Auffassung, wonach die Gewaltbereitschaft der verfeindeten Lager beständig zugenommen habe, widerspricht er mit Nachdruck. Dass sich der Anspruch Spaniens, eine ganz Europa umspannende Friedensordnung zu schaffen, vielfach nicht mit den Absichten anderer Mächte vereinbaren ließ, liegt auf der Hand. So ist es letztlich eine Welt der Widersprüche, der Konzessionen und Kompromisse, der Täuschung und Verstellung, durch die uns der Autor mit sicherer Hand führt.

Farbig wird diese Welt besonders dort, wo sie von eher ab-strakten Zusammenhängen, den Imperien und Dynastien, wegführt und das Denken und Handeln einzelner Persönlichkeiten in den Blick nimmt. Wir lernen Konvertiten wie den niederländischen Philosophen Justus Lipsius und den italienischen Theologen Marc Antonio de Dominis kennen, werden mit der wichtigen Schrift „De pace Germaniae“ („Über den Frieden Deutschlands“) des Staatstheoretikers Adam Contzen aus dem Jahr 1614 vertraut gemacht und begegnen den bedeutendsten Vordenkern eines Widerstandsrechts von Frankreich über Deutschland bis nach Polen.

Besonders intensiv geht Asch auf Fragen von Glauben und Bekenntnis ein, auf eschatologische Weltdeutungen, religiöse Lebenswelten und theokratische Bedrohungen. Schon diese wenigen Begriffe lassen allerdings erkennen, dass sich der Autor vorrangig an ein engeres Fachpublikum wendet, das Vorkenntnisse mitbringt und die Vielzahl der Einzelinformationen einzuordnen weiß. Diese Leser werden auch die zahlreichen Anmerkungen und Literaturverweise zu würdigen wissen, die rund ein Viertel des Buches ausmachen.

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Insgesamt gelingt es Asch, einen faszinierenden und mitreißenden, vielfach aber auch beängstigenden Zeitabschnitt der europäischen Geschichte zu beschreiben – eine Phase, die von der Suche nach einem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften zeugt und die nicht wenige Parallelen zur Gegenwart aufweist.

Rezension: Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Ronald G. Asch
Vor dem großen Krieg
Europa 1598 – 1618
wbg Academic, Darmstadt 2020, 446 Seiten, € 60,–

 

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