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Patrice Gueniffey

Geniezeit Napoleons?

Wozu den in die Zehntausende gehenden Titeln über das Leben Napoleons einen weiteren hinzufügen? „Was die Wahrheit eines Menschen angeht, ist nie das letzte Wort gesprochen“, gibt Patrice Gueniffey zur Antwort. Gueniffey, Jahrgang 1955, ein Schüler von François Furet, gehört mit Thierry Lentz und dem noch immer beispielhaften Jean Tulard zum Dreigestirn der aktuellen französischen Napoleon-Forschung. Diesen Rang sichert ihm sein 2013 erschienener „Bonaparte“, der jetzt erfreulicherweise auch dem deutschen Lesepublikum zugänglich ist.

Der Titel ist Programm. Denn als „Napoleon“ lernten die Franzosen den Korsen erst mit dessen Erhebung zum Kaiser (1804) kennen. Vorher nannte er sich nach seiner Familie Buonaparte oder Bonaparte. Was bedeutet, dass Gueniffeys Buch mit dem Konsulat endet, genauer mit dem Jahr 1802. Da wird Napoleon per Plebiszit Konsul auf Lebenszeit, ausgestattet mit dem Recht, seinen Nachfolger zu designieren. Die republikanische Monarchie, diese sehr spezielle cäsarische Herrschaftsform, ist damit Wirklichkeit. Die nachgereichte Kaiserkrönung gibt dem Schritt nur noch das Dekor.

Auch ohne die fehlenden 13 Jahre bis Waterloo bringt es Gueniffeys Buch auf mehr als 1000 Seiten. Der Umfang muss nicht schrecken. Der Autor ist ein glänzender Stilist, und wer sich über den Aufstieg des großen Korsen zum Alleinherrscher und zum Stabilisator der gefährdeten Republik informieren will, wird mit dem Buch in jeder Weise zufriedengestellt.

Natürlich wirft Gueniffeys Entscheidung für die Halbbiographie insofern ein Problem auf, als der nicht behandelte Teil von 1802 bis 1815 dann doch in Wertungen einfließt, allerdings unausgesprochen. Um ein Beispiel aus dem Sport zu wählen: Der Spielbericht einer ersten Halbzeit fällt anders aus, wenn alle Welt das Schlussergebnis kennt. Auch suggeriert die Aufteilung einen Bruch, der in dieser Schärfe gar nicht existiert. Die Außenpolitik des Konsulats unterschied sich kaum von der des Empire. Immer blieb sie ja eingeklemmt in die Leitplanken des Revolutionskriegs.

Glücklicherweise geht Gueniffey nicht in die Falle, den Konsul Bonaparte gegen den Kaiser Napoleon, den guten Diktator gegen den unersättlichen Eroberer auszuspielen, wie dies leider häufig in der Literatur geschieht. Für ihn ist die Konsulatszeit einfach die Geniezeit Napoleons. In ihr ist er der Mann, der alle bekannten Grenzen sprengt. „Kein Vorbild, sondern ein Traum“, wie Gueniffey formuliert. „Darin, und das ist das Geheimnis der Faszination, die er noch immer ausübt, ist Napoleon eine Verkörperung des modernen Individuums“.

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Rezension: Dr. Günter Müchler

Patrice Gueniffey
Bonaparte
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2017, 1296 Seiten, € 58,–

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