Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück (Hrsg.) Geschichte be-greifen – Ausgewählte historische Quellen. Aufbruch in die Moderne (1848-1918) - wissenschaft.de
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Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück (Hrsg.)

Geschichte be-greifen – Ausgewählte historische Quellen. Aufbruch in die Moderne (1848-1918)

Kinder erlernten die „deutsch-französische Erbfeindschaft“ im Kaiserreich spielend leicht. Der Sieger in einer Runde des Gesellschaftsspiels „Die Wacht am Rhein“ von 1883 durfte etwa in der nächsten Runde den Grafen von Moltke spielen, der den Franzosen 1870/71 bei der Schlacht von Sedan eine empfindliche Niederlage einbrachte. Und wer das Bild Nr. 26 gewann, ließ hingegen die Spielgesellschaft das Lied die „Von der Wacht am Rhein“ singen, eines der populärsten Lieder des Wilhelmismus. Heute ist die Reproduktion des Spieles Teil einer neuerschienen Quellensammlung des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück und seines Museumspädagogischen Dienstes: Schüler erlernen nicht mehr die „deutsch-französische Erbfeindschaft“, sondern analysieren diese Form der spielerischen Indoktrination im Kaiserreich.

Die Materialmappe „Aufbruch in die Moderne“ umfasst zehn ausgewählte Quellen aus der Zeit von 1848 bis 1918. Die faksimilierten Quellen stammen aus der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück. Geschichtsinteressierte erhalten durch die Quellen einen Zugang zum „langen 19. Jahrhundert“, Schüler können beispielsweise beim Unterrichtseinstieg mit einer Quelle handlungsorientiert an die jeweilige Epochen herangeführt werden. Schön ist, dass die Faksimile nicht nur für Osnabrück von Interesse sind, sondern weit über die Region hinaus genutzt werden können: Wie die Städte im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung über ihre mittelalterlichen Stadtgrenzen hinauswuchsen, veranschaulicht beispielsweise ein Osnabrücker Stadtplan von 1876. Reichskanzler Bismarck und sein innenpolitischer Konkurrent, der Hannoveraner Ludwig Windthorst hingegen debattieren in einem Daumenkino heftig miteinander – wie zur Zeit des Kulturkampfs, als die katholische Kirche und das deutsche Kaiserreich sich wegen der Trennung von Kirche und Staat entzweiten. Zugleich ist das daraus entstandene Blätterbuch „Daumenkino“ ein mediengeschichtlicher Hinweis auf die Zeit, als die Bilder das Laufen lernten, beispielsweise in Max Skladanowskys 1896 erschienenem Buch „Lebende Photographien in Buchform“.

Komplettiert wird die Mappe durch ein pädagogisches Begleitheft, das weitere Hintergrundinformationen, Abbildungen, ergänzendes Material und dazu passende Arbeitsaufträge enthält. Ebenfalls vom Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück ist eine weitere Unterrichtsmappe erhältlich, die die Geschichte der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs umspannt.

Rezension: Carmen Fischer

Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück (Hrsg.)
Geschichte be-greifen – Ausgewählte historische Quellen. Aufbruch in die Moderne (1848-1918)
Westermann-Verlag, Braunschweig 2010, 70 Seiten, Buchpreis € 19,95
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