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Herbert, Ulrich

Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert

Dieses gewichtige Werk verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist der umfangreichste Band in der auch von Ulrich Herbert herausgegebenen Reihe „Europäische Geschichte“. Wer die Menge an Quellen und Fachliteratur zu diesem brutalen Jahrhundert annähernd kennt, wird die enorme Leistung der intellektuellen Verarbeitung und Durchdringung dieses Stoffs besonders würdigen können.

Die Begründung der Periodisierung erhellt bereits den Grundzug der Interpretation: Herbert beginnt nicht mit einer der beiden schon fast klassisch gewordenen Zäsuren 1914 oder 1917 als Anfang des „kurzen 20. Jahrhunderts“, das dann 1989/90 endet, sondern setzt in den 1890er Jahren ein. Die industrielle und soziale Dynamik der Hochindustrialisierung im Kaiserreich mit der bekannten verspäteten Ausbildung demokratischer Strukturen dient als wichtiger Erklärungsansatz für die Entstehung der beiden Schlüsselideologien des Kommunismus und des Nationalsozialismus. Deren Folgen wurden in Deutschland besonders wirksam.

Die Wucht der Veränderungsdynamik in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg ergriff alle europäischen Gesellschaften und zwang zu Reaktionen. Für Deutschland stellen sich die beiden verstörenden Grundfragen: Wie konnte dieses Land mit Nationalsozialismus und Auschwitz den absoluten Tiefpunkt seiner Geschichte erreichen, und wie gelang es den Deutschen, aus dieser Apokalypse wieder her-auszukommen?

Der „Dynamik der Gewalt“ bis zum Untergang gilt der dritte der in fünf Teile gegliederten Darstellung. Für die NS-Zeit kann Herbert seit langem als einer der besten Experten gelten. Gleichwohl nehmen die Nachkriegskapitel bis zum Ende des Jahrhunderts zu Recht mehr Raum ein. Es geht hier nicht nur um zwei deutsche Staaten und Gesellschaften, sondern auch um die Einordnung ihrer Geschichte in übergeordnete europäische und globale Zusammenhänge. Insofern leuchtet der pointierte erste Satz ein: „Europa ist unsere Gegenwart, aber unsere Geschichte bleibt im Nationalen verwurzelt.“

Als Besonderheit der gesamten Reihe sind die Querschnitte hervorzuheben, die in die chronologisch angelegten Kapitel eingebaut sind. Das ermöglicht die Erörterung gesellschaftlicher und kultureller Trends oder die Zuspitzung signifikanter Kontraste, um so das Profil einer Periode schärfer hervorzuheben. Für die Weimarer Republik wird das Jahr 1926 „zwischen Krieg und Krise“ gewählt, für den Nationalsozialismus 1942 mit dem treffenden Dualismus „Völkermord und Volksgemeinschaft“ und für Nachkriegsdeutschland die Jahre 1965 und 1990 als komplexe Charakterisierungen des Umfeldes. Herberts Antworten auf die beiden Leitfragen lassen sich nicht in wenige handliche Sätze fassen. Aber aus den Erfahrungen in der zweiten der beiden so ungleichen Hälften des Jahrhunderts wird doch ein „positives Zukunftsbild“ abgeleitet.

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Konzeptionell reflektiert, pointiert in den Urteilen, aber ohne überzogene Thesen oder postmodernen Schnickschnack, gut zu lesen und vor allem immer wieder auf Erklärung und Einordnung der Einzelbefunde bedacht – das alles macht dieses Buch zu einem auf absehbare Zeit schwer zu übertreffenden Standardwerk.

Rezension: Prof. Dr. Christoph Kleßmann

Herbert, Ulrich
Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert
Verlag C.H.Beck, München 2014, 1451 Seiten, Buchpreis € 39,95
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