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Reinhardt, Volker

Geschichte Italiens – Von der Spätantike bis zur Gegenwart

Nach den Werken von Werner Goez (1976), Reinhold Schumann (1983), vom Rezensenten (4. Aufl., 1988) und zuletzt von Wolfgang Altgeld (2002) legt nun der Schweizer Historiker Volker Reinhardt eine weitere, weithin gelungene Darstellung der äußerst komplexen und wegen ihrer unermeßlichen kulturellen Leistungen besonders reichen Geschichte Italiens vor. Seine Vorgänger erwähnt Reinhardt leider nicht, dabei braucht sein Buch Vergleiche nicht zu scheuen. Reinhardt betont die lunga durata des staatlichen Pluralismus, die tausendjährige Differenz zwischen dem vielseitig aktiven Norden und dem statischen Süden, sodann die Identität stiftenden Kräfte: die seit dem 11. Jahrhundert im Norden und in der Mitte entstandenen Kommunen, die seitherige Dominanz der Städte mit der Verschmelzung adeliger und bürgerlicher Eliten, „die unbändige Lebenskraft kleinräumiger Autonomien“, die im 14. Jahrhundert im Gefolge Petrarcas konstituierte Kulturnation, die wirtschaftliche und kulturelle Produktivität, auch „die intensive Visualisierung von Status in Bauten und Bildern“. Immerhin ist mehr als ein Drittel des Buches dem Risorgimento und dem 1861 gegründeten Nationalstaat gewidmet. Dessen republikanisches Kapitel (seit 1946) wird allerdings oberflächlich behandelt; selbst über den „Gründungsvater“ De Gasperi erfährt man nur wenig, über seinen Gegenspieler Togliatti kaum etwas. Aber der Verfasser bekennt sich jedoch ausdrücklich zu extremer Reduzierung und zu Vereinfachungen. Besonders informativ sind die Kapitel über die Renaissance mit ihrem relativ modernen, aber fragilen Staatensystem, mit den neuen Fürstenhöfen und ihren Herrschaftsinszenierungen, über die seit etwa 1550 folgende spanische Hegemonie und die Gegenreformation samt der Ambivalenz von Inquisition und Gedankenfreiheit, von Realismus und Skepsis, über die allmähliche wirtschaftliche und politische Regression, welche im päpstlichen Rom durch barocken Glanz überspielt wurde, schließlich über das 18. Jahrhundert, als die intellektuellen Eliten die eigene Rückständigkeit entdeckten und nach Reformen strebten, welche dann die zum Risorgimento führende Rückkehr ins moderne Europa eingeleitet haben.

Rezension: Lill, Rudolf

Reinhardt, Volker
Geschichte Italiens – Von der Spätantike bis zur Gegenwart
Verlag C. H. Beck, München 2003, 348 Seiten, Buchpreis € 29,90
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