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Pierre Monnet

Gestalter der Politik

dam0721bue04.jpgSeine Anfänge waren schwierig, als er 1346 römisch-deutscher König und neun Jahre später Kaiser wurde, beides zunächst mit wenig Glanz. Dann aber entwickelte sich Karl IV. zu einem prägenden, nachhaltigen Gestalter der internationalen Politik, zu einem Kaiser in Europa („un empereur en Europe“, wie die französische Originalausgabe der Biographie von Pierre Monnet heißt).

Der Autor zeigt den „reisefreudigen Monarchen“ im Westen – aus dynastischer Tradition Frankreich und Luxemburg –, mit komplizierten Erfahrungen in Italien und, ausgehend von seinem Königreich Böhmen, mit leidenschaftlich gestalteten Beziehungen in Ostmitteleuropa.

Mit der „Goldenen Bulle“ von 1356, die die Modalitäten der Wahl und Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser durch die Kurfürsten festlegte und bis 1806 in Kraft blieb, beschrieb Karl IV. die politische Ordnung des Reichs in der Art einer Verfassung und drängte den Papst als Akteur bei der Königswahl hinaus. In seiner Herrschaftspraxis ging es Karl IV. vor allem um seine Dynastie und seine Territorien. Virtuose Heiratspolitik war ein wichtiges Instrument für ihn.

In drei Schritten zeichnet Monnet Karls Lebensstationen nach. Die Stichworte sind: „Erobern“, „Herrschen“ und „Überdauern“. Die Sympathie des Autors gilt dem Individuum, dem „privaten, sensiblen Karl“, der über das eigene Leben nachdachte, als Erster seiner Zeit eine Autobiographie schrieb, seine Träume aufzeichnete, sich in tiefer Religiosität übte und an seiner bleibenden Erinnerung arbeitete. Dem „Fußabdruck“ seines Protagonisten folgt der Biograph durch dessen Leben und leistet damit eine „Geschichtsschreibung, die auf Verstehen und nicht auf Urteilen aus ist“.

Dass Karl bis heute in Frankreich wenig geschätzt, in Böhmen bzw. Tschechien aber stets verehrt wurde und wird, gehört zu den vielen Widersprüchen des Kaisers. Monnet beschreibt daher unter dem Stichwort „Überdauern“ ausführlich die vielschichtige Rezeption Karls in Europa bis zur Gegenwart. Die anschaulich formulierende Übersetzung gibt die lebendige Diktion der Darstellung wieder und lässt Spannung aufkommen. So heißt es etwa: „Eine Kaiserkrönung lässt keinen Geschichtsschreiber kalt“.

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Monnet ist der berufene Biograph des Kaisers in unserer Zeit. Er ist nicht nur ein renommierter französischer Historiker, sondern zugleich ein ausgezeichneter Kenner der deutschen Geschichte und als Direktor des wichtigsten französischen historischen Instituts in Deutschland ein engagierter Vermittler zwischen beiden Ländern. Die im Original 2020 publizierte Biographie wurde soeben in Frankreich mit dem bedeutenden Prix Gobert der Académie des inscriptions et belles lettres ausgezeichnet.

Rezension: Prof. Dr. Martin Kintzinger

Pierre Monnet
Karl IV.
Der europäische Kaiser
Verlag wbg Theiss, Darmstadt 2021, 365 Seiten, € 38,–

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