Sollner, Gerd (Hg.) Grimms Kochbuch – Märchenhafte Rezepte aus dem Hause Grimm - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Sollner, Gerd (Hg.)

Grimms Kochbuch – Märchenhafte Rezepte aus dem Hause Grimm

Jacob und Wilhelm Grimm gelten als „Gründerväter“ der deutschen Philologie und gelangten mit ihren „Kinder- und Hausmärchen“ zu Weltruhm. Doch die beiden Brüder waren nicht die einzigen begeisterten Sammler im Hause Grimm: Henriette Dorothea Wild, die 1825 Wilhelm Grimm heiratete und den Haushalt für ihn, Jacob und die zahlreiche Gäste meisterte, stellte dabei eine umfangreiche Rezeptsammlung zusammen. Der Reprint-Verlag veröffentlicht eine Auswahl dieser Rezepte und ermöglicht damit einen direkten Blick auf den Esstisch der historischen Wohngemeinschaft.

Der überwiegende Teil der Rezepte gehört auch heute zur gutbürgerlichen Küche und dürfte in dieser oder abgewandelter Form noch weit verbreitet sein. Vereinzelt finden sich zwischen Klößen, Knödeln und allerlei Braten jedoch etwas exotischere Gerichte wie Karpfen in Gelee, Brotauflauf oder Hechtpudding. Es ist spannend zu sehen, von welchen Gerichten sich die deutsche Küche in den letzten 200 Jahren fortentwickelt hat und welche fast unverändert erhalten geblieben sind.

Die Kapitel sind eingerahmt von biographischen Informationen zu den Grimms, einem Küchenglossar und einer Auflistung der in dieser Zeit verwendeten Maßeinheiten. Als Zwischengänge werden ausgewählte Märchen aus der Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ erzählt, in denen das Essen eine besondere Rolle spielt. Dass die Rezepte im originalen Sprachduktus belassen und nur durch Anmerkungen besser verständlich gemacht wurden, macht „Grimms Kochbuch“ nicht nur für Feinschmecker interessant: Neben einem Eindruck von verwendeten Gewürzen und Kochgeräten in bessergestellten Haushalten des Biedermeier geben die Herkunftsbeschreibungen der Rezepte Hinweise auf die Lebensstationen und den Freundeskreis der Grimms.

Wirken die Rezepte auch authentisch, so wurden die Zutatenlisten zum Nachkochen den heutigen Einkaufsmöglichkeiten angepasst. Sie nennen unter anderem Krebsfleischaus der Dose, Bio-Zitronen und Backpulver. Die modernen Rezepte dürften damit eher Interpretationen als akkurate Übersetzungen darstellen.

Rezension: Alexander Tullius

Anzeige

Sollner, Gerd (Hg.)
Grimms Kochbuch – Märchenhafte Rezepte aus dem Hause Grimm
Reprint Verlag, Leipzig 2013, 160 Seiten, Buchpreis € 19,90
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Töl|pel  〈m. 5〉 1 schwerfälliger, einfältiger Mensch, Dummkopf 2 〈Zool.〉 Angehöriger einer Familie gänsegroßer, starkschnäbliger Ruderfüßer, die stoßtauchend Fische erbeuten: Sulidae ... mehr

Ver|bö|se|rung  〈f. 20〉 1 das Verbösern, das Verschlechtern 2 〈Rechtsw.〉 Verschlechterung einer (gerichtl., steuerl.) Entscheidung zuungunsten desjenigen, der gegen diese vorgeht ... mehr

Ha|des  〈m.; –; unz.; grch. Myth.〉 die nach dem Gott des Todes benannte Unterwelt, Totenreich [<grch. Haides ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige