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Poettering, Jorun

Handel, Nation und Religion – Kaufleute zwischen Hamburg und Portugal im 17. Jahrhundert

Kaufleute aus Hamburg, aus Portugal wie auch aus den Niederlanden sind es, die im Mittelpunkt der preisgekrönten Hamburger Dissertation von Jorun Poettering stehen. Diese Kaufleute waren die wesentlichen Träger des blühenden Handels, der im 17. Jahrhundert die alte Hansestadt mit dem Königreich Portugal verband. Ein kontinuierlicher Seehandel machte zu jener Zeit dauerhafte Niederlassungen der Beteiligten in den Zielorten der Handelsrouten notwendig. So entstanden in Lissabon norddeutsche und niederländische Gemeinden, während sich in Hamburg neben Niederländern eine recht große Gemeinschaft sephardischer Juden aus Portugal ansiedelte.

Um diese Gruppen eingehend zu porträtieren, nimmt die Untersuchung nicht nur den Umfang und die Zusammensetzung des Warenverkehrs in den Blick. Vielmehr werden Fragen der Gruppen- und Netzwerkbildung und die Integration der Kaufleute in die jeweils fremde Gesellschaft erörtert. Die für die Wirtschaftsgeschichte ungewöhnliche Quellengrundlage, die neben den „Klassikern“ wie Zoll- und Hafenlisten auch Inquisitions- und Ratsprotokolle umfasst, ermöglicht es der Autorin, ein umfassendes Bild der Händlergruppen zu zeichnen.

Da sehr viele grundlegende Themen angesprochen werden, wird manches sehr knapp abgehandelt. Dank der Entscheidung für ein – nach wie vor detailreiches – Panorama gelingt es der Autorin jedoch, ein geradezu handbuchartig dichtes Wissen zu präsentieren. Der weiterführende wissenschaftliche Wert der Studie besteht in der Auseinandersetzung mit den gängigen Grundannahmen sozialwissenschaftlicher Diaspora-Konzepte. Diese verstehen verstreut lebende, aber untereinander vernetzte kulturelle Minderheiten gemeinsamer Herkunft als Gesellschaftsform mit eigenständiger Identität. Solche Konzepte behaupten einen überdurchschnittlichen Erfolg von Kaufmannsdiasporen aufgrund des besonderen Zusammenhalts durch eine gemeinsame Herkunft, der Entwicklung eines merkantilen Spezialistentums und des spezifischen Innovationsgeists durch Erfahrungen in der Fremde.

Jorun Poettering kann dagegen zeigen, dass es keineswegs ein Vorteil sein musste, Mitglied einer solchen Diaspora-Gruppe zu sein. Während sich Portugal als relativ offen erwies und fremde Kaufleute gezielt förderte, ihnen im Fall der Konversion zum Katholizismus sogar gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten bot, reglementierte die lutherische, auf die Privilegien ihrer Bürger bedachte Hansestadt Hamburg das Leben und die Betätigung der Fremden spürbar. Juden wiederum hatten selbst nach der Zwangskonversion in Portugal als „Neuchristen“ einen schweren Stand, während sie in Hamburg zumindest den anderen auswärtigen Händlergruppen auf Augenhöhe begegneten.

Insbesondere durch das facettenreiche Bild des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens verschiedener Kaufmannsgruppen im Handelsraum zwischen Lissabon und Hamburg ist Poetterings Werk ein gelungenes Stück Geschichtsschreibung. Es entwirft kein neues Konzept von Diaspora, sondern begnügt sich mit der Hinterfragung der bestehenden. Diese lässt jedoch eine enge Verzahnung sozialer, religiöser und ökonomischer Aspekte in der Frühphase dessen, was heute Globalisierung genannt wird, deutlich erkennen. Daher wurde das Buch von der „Gesellschaft für Historische Migrationsforschung“ zu Recht mit einem Förderpreis bedacht und sei allen an der frühen Neuzeit Interessierten zur Lektüre empfohlen.

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Rezension: Dr. Jürgen G. Nagel

Poettering, Jorun
Handel, Nation und Religion – Kaufleute zwischen Hamburg und Portugal im 17. Jahrhundert
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, 405 Seiten, Buchpreis € 69,99
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