Garland, Robert Hannibal – Das gescheiterte Genie - wissenschaft.de
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Garland, Robert

Hannibal – Das gescheiterte Genie

Robert Garland möchte in seinem Buch einen summarischen Überblick über das Leben des legendären Karthagers Hannibal vermitteln. Nach drei Einführungskapiteln werden in sechs Kapiteln die Stationen des römisch-karthagischen Konflikts referiert. Schließlich runden drei Kapitel, die sich mit den Kriegsfolgen, mit Hannibals Nachleben und mit seiner Beurteilung befassen, das flüssig geschriebene Werk ab.

Nach der Lektüre ist man zunächst angetan von der plastischen Ausdrucksweise des Autors und seiner Fähigkeit, komprimierte historische Sachverhalte angemessen zu vermitteln. Doch ein tieferer Blick enthüllt die Schwächen dieser Biographie. Gewöhnlich verfasst man historische Biographien, um durch den Dargestellten Einblicke in die Epoche zu vermitteln oder um vom Mainstream der Forschung abweichende Meinungen zu äußern. Beides lässt das vorliegende Werk vermissen. Sieht man vom Kapitel über Hannibals Nachleben ab – aus meiner Sicht der gelungenste Abschnitt – so verfestigt sich der Eindruck, alles schon einmal gelesen zu haben.

Dazu kommen wichtige Kritikpunkte: Nicht nur, dass begriffliche Ungenauigkeiten und falsche Zuschreibungen vorkommen, gravierender ist, dass zur Erklärung des Konflikts zwischen Römern und Karthagern auf veraltete oder unhaltbare Argumentationen zurückgegriffen wird, anstatt sich mit den neueren, auch der nicht englischsprachigen Forschungen, auseinanderzusetzen.

Zum Widerspruch reizt die Behauptung, seit der Schlacht von Trebia habe Hannibal „das Ruder allein in der Hand“ gehalten. Damit wird das Bild eines unabhängig von der Mutterstadt handelnden Hannibal entworfen, was aber den Tatsachen widerspricht. Zwar war Hannibal der wichtigste karthagische Befehlshaber, aber daneben wirkten andere Truppenkommandeure, die ebenfalls großangelegte Kampfhandlungen durchführten, die aber aufgrund der Dürftigkeit unserer Quellen weitaus weniger bekannt sind. Diese eingeschränkte Sicht der Ereignisse kann dazu verleiten, sämtliche Kriegsplanungen als ausschließlich von Hannibal inspiriert zu betrachten. Das traf keineswegs zu. Zwar konnte Hannibal auf dem italischen Kriegsschauplatz in allen Belangen der Kriegführung nach eigenem Ermessen handeln, dennoch oblag die Gesamtleitung der Operationen der karthagischen Regierung. Dies betraf die Festlegung der Kriegsziele, die Gewinnung von Verbündeten, die Ratifizierung von Verträgen, die Koordination der Truppeneinsätze in den verschiedenen Kampfabschnitten und die Organisation und Zuteilung des Nachschubs.

Als ein weiterer Schwachpunkt erweist sich das Fehlen von Reflexionen über die Strategien der Kriegsparteien, ein Mangel, der durch das Aufzählen der längst bekannten Fakten des Kriegsverlaufs nicht behoben wird. Auch sei vor unsachgemäßen Aktualisierungen gewarnt, wenn etwa zu den von Polybios berichteten Verkleidungskünsten Hannibals ein Vergleich mit Saddam Hussein bemüht wird.

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Dass ein solch problematisches Buch, das der Hannibal-Forschung keinerlei Impulse zu geben vermag, eine deutsche Übersetzung bekommen hat, kann man nur mit Kopfschütteln registrieren.

Rezension: Prof. Dr. Dr. h. c. Pedro Barceló

Garland, Robert
Hannibal – Das gescheiterte Genie
Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012, 158 Seiten, Buchpreis € 19,99
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