Giese, Wolgang Heinrich I. – Begründer der ottonischen Herrschaft - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Giese, Wolgang

Heinrich I. – Begründer der ottonischen Herrschaft

Heinrich I. ist eine schillernde Herrschergestalt, die Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur immer wieder fasziniert und beschäftigt hat. Lange Zeit galt er als Schöpfer eines „Deutschen Reichs“, und der Nationalsozialismus hat bekanntlich einen regelrechten Heinrichskult entwickelt. Das dem Herrscher entgegengebrachte Interesse steht allerdings in krassem Gegensatz zur schwierigen Quellenlage, die manche, gerade auch aktuelle Forschungskontroversen verursacht hat, sind doch die wichtigsten Quellen erst Jahrzehnte später verfasst worden und von Mythen und mündlichen Überlieferungen geprägt.

Die detaillierte „Biographie“ des an der Universität München lehrenden Mediävisten Wolfgang Giese bringt hier viel Licht in die Diskussionen. Chronologischen Kapiteln über die vorkönigliche Zeit, die vielbehandelte Königserhebung mit der Designation durch Konrad I. und der Ablehnung der Königssalbung, die „Aneignung des ostfränkischen Herrschaftsraumes“ und das „Ungarnproblem“ schließen sich strukturelle Partien über die – auf Konsens zielende – Herrschaftspraxis Heinrichs im Innern und die Beziehungen zu den anderen Reichen an. Der Versuch einer – insgesamt vielleicht doch etwas zu positiven – Persönlichkeitswürdigung beschließt den Band.

Gieses sachliche, sehr kompetent geschriebene Darstellung befreit Heinrich (und die Forschung) von manchem Mythos (wie der angeblich von ihm initiierten „Burgenordnung“, dem planmäßigen Ausbau von Burgen und ihrer Besatzung) und sei allen Interessierten wärmstens zur Lektüre empfohlen. Beherzt bezieht Giese auch gegen neuere Ansichten Stellung und würdigt die Quellennachrichten abgewogen, will aber auch vor überzogener Skepsis bewahren. Zwar wird man dem Autor angesichts der vielen Forschungsprobleme nicht in allen Deutungen folgen müssen, doch werden diese durchweg nicht nur ausführlich begründet, sondern Giese referiert und diskutiert auch abweichende Meinungen ebenso gründlich, so dass der Leser umfassend informiert wird. Angesichts der Sachlage und der Quellenprobleme bietet Gieses Buch daher nicht nur einen Einblick in die Gestalt Heinrichs I., sondern auch in die Probleme und Diskussionen der heutigen Mittelalterforschung.

Rezension: Goetz, Hans-Werner

Giese, Wolgang
Heinrich I. – Begründer der ottonischen Herrschaft
Primus Verlag, Darmstadt 2008, 246 Seiten, Buchpreis € 29,90
Anzeige
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Ri|bo|nu|cle|a|se  auch:  Ri|bo|nuc|le|a|se  〈f. 19; Biochem.〉 Enzym, das Ribonukleinsäure in kleine Bruchstücke spaltet ... mehr

Gar|ne|le  〈f. 19; Zool.〉 Angehörige einer als ”Krabbe“ in den Handel gebrachten Unterordnung der Zehnfußkrebse: Natantia [<garnad, garnol ... mehr

all’ot|ta|va  〈[–va] Mus.; Abk.: all’ott. od. 8va〉 1 eine Oktave höher (zu spielen) 2 ~ bassa eine Oktave tiefer (zu spielen) ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige