Osburg, Wolf-Rüdiger Hineingeworfen – Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer - wissenschaft.de
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Osburg, Wolf-Rüdiger

Hineingeworfen – Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer

„Gleicher Lohn und gleiches Essen, dann wäre der Krieg schon längst vergessen.“ An diesen Spruch erinnert sich Paul Weiher (geb. 1896), als er von Wolf-Rüdiger Osburg gefragt wurde, wie das militärische Leben im Ersten Weltkrieg von einfachen Soldaten wahrgenommen wurde. Johannes Götzmann (geb. 1896) erinnert sich hingegen an einen „feinen Menschen, der für uns Granaten geklaut hat, mit denen wir in der Marne versucht haben, Fische zu fangen.“, als er nach seinem Offizier gefragt wurde. Die Dokumentation „Hineingeworfen. Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer“ des Publizisten Wolf-Rüdiger Osburg versammelt in Interviewauszügen die Stimmen von 135 ehemaligen deutschen Kriegsteilnehmern. Thematisiert werden der Kriegsausbruch und die ersten Tage im Schützengraben, das Soldatenleben und die Wahrnehmung des Feindes, das letzte Kriegsjahr und das Leben danach. Die Erinnerungen der Veteranen fügen sich wie in einem Kaleidoskop zum dramatischen Szenario der Sinnlosigkeit des Krieges zusammen und stellen dar, wie die jungen Männer, die damals zwischen 14 und 22 Jahren alt waren, in den Krieg regelrecht „hineingeworfen“ wurden. Sehr interessant ist beispielsweise das Kapitel „Der Feind“, das zeigt, dass der offizielle Feind, seien es Franzosen, Belgier oder Engländer, von den deutschen Soldaten nicht als der proklamierte Feind wahrgenommen wurde, sondern als Leidensgenosse, „der das Ganze auch nicht wollte“. Sicherlich gab es auch Situationen, in denen „keine Gefangenen gemacht wurden“, aber es kam auch zu Momenten der Menschlichkeit auf dem Schlachtfeld. Positiv ist, dass sämtliche Interviewpassagen unkommentiert nebeneinander gestellt wurden und es dem Leser überlassen bleibt, die Aussagen miteinander zu verbinden und sich von den Eindrücken der Zeitgenossen ein eigenes Bild zu machen. Der Autor stellt nur zu Beginn eines jeden Kapitels seine Motivation für den Themenbereich dar und schildert seine vorherigen Erwartungen und Eindrücke bei den Gesprächen. Ob das Buch dem Fachhistoriker aber tatsächlich dazu dient, sich „tief in die Wirklichkeit der Kriegserlebnisse“ einzulesen, wovon der renommierte Historiker Gerd Krumeich in seinem Vorwort ausgeht, das kann bezweifelt werden. Dazu sind manche Interviewauszüge doch zu kurz geraten, und eine systematische Darstellung der gesamten Interviews wäre von Nöten gewesen. Dazu kommt, dass der größte Teil der Soldaten an der Westfront kämpfte und andere Kriegsschauplätze nur sporadisch erwähnt werden. Da der thematische Aufbau gewählt wurde, ist aber eine fesselnde und vor allem interessante Lektüre für den Fachhistoriker und den interessierten Laien entstanden.

Rezension: Carmen Fischer

Osburg, Wolf-Rüdiger
Hineingeworfen – Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer
Osburg Verlag, Berlin 2009, 528 Seiten, Buchpreis € 29,90
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