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Marita A. Panzer

Hochzeitsszenen aus Niederbayern

dam0121bue06.jpgDas größte wiederkehrende Historienspektakel Deutschlands findet in Landshut statt. Seit 1981 wird dort alle vier Jahre die Hochzeit Georgs des Reichen mit der polnischen Königstochter Hedwig von 1475 aufgeführt. Mehr als 2000 Mitspielerinnen und Mitspieler machen Geschichte lebendig und setzen die einstige Strahlkraft der größten niederbayerischen Stadt in Szene.

Jetzt legt Marita A. Panzer eine erste Biographie der königlichen Braut vor. Das Buch ist prägnant geschrieben, fasst die historische Forschung gut zusammen und entwirft ein anschauliches Lebensbild zwischen Glanz und Gewöhnlichkeit. Das Ehebündnis der Wittelsbacher mit den polnischen Jagiellonen unterstrich den europäischen Rang der reichen Herzöge von Bayern-Landshut. Deshalb gestalteten sie diese Hochzeit als eine der größten Festlichkeiten im Heiligen Römischen Reich.

Die Gäste, angeführt von Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian I., kamen teils von weit her: aus Bayern, der Pfalz oder Sachsen, Brandenburg, Württemberg, Baden, Böhmen oder Polen; selbst die Brüder des osmanischen Herrschers gehörten zur illustren Gesellschaft. Landshut mit seinen etwa 10 000 Einwohnern beherbergte ungefähr die gleiche Zahl an Gästen und fütterte deren 9000 Pferde.

Kanzleischreiber verzeichneten die immensen Kosten von mehr als 60 000 Rheinischen Gulden (die Verfasserin rechnet das in etwa zwölf bis 20 Millionen Euro um), die Herzog Ludwig der Reiche, der Vater des Bräutigams, großzügig übernahm. Über 5000 Ochsen, Kälber, Schweine und Schafe sowie 40 000 Hühner ließen für die Festtage ihr Leben; 146 Köche versorgten die Gäste mit erlesenen Speisen.

Hedwig war als ranghöhere Königstochter gerade erst in der fremden Welt ihres Ehemanns angekommen und musste sich schnell orientieren. Sogleich diente sie ihrer herzoglichen Schwiegerfamilie als gefeiertes Vorzeigeobjekt. Umso nüchterner gestaltete sich dann ihr Leben nach der Hochzeit. Das Inter-esse des Ehemanns an ihr ließ bald nach. Trotz langer Phasen der räumlichen Trennung gebar ihm Hedwig zwei Töchter. Die eine wurde mit dem rheinischen Pfalzgrafen Ruprecht verheiratet, die andere brachte es zur Äbtissin in Neuburg an der Donau. Doch der ersehnte männliche Erbe blieb aus, und die geplante Nachfolge der pfälzischen Wittelsbacher endete im militärischen Debakel. Mit dem Landshuter Erbfolgekrieg begann der neuzeitliche Siegeszug der Münchner Wittelsbacher-Linie.

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Nach ihrer Hochzeit blieb Hedwig im Schatten der Geschichte. Sie hinterließ keine nennenswerten Selbstzeugnisse, wie wir sie von anderen Fürstinnen kennen. Mit ihrer Grablege im Kloster Raitenhaslach (Bistum Passau) 1502 wurde sie zur letzten Herzogin, die dort ihre Ruhe fand. In vielfältiger Hinsicht ging die Glanzzeit Niederbayerns zu Ende. Erst die modernen Aufführungen ihrer Hochzeit – die nächste wäre 2021, wird aber coronabedingt erst 2023 stattfinden – bringen Hedwig wieder ins Rampenlicht. Aber der Prunk überdeckt auch ihre 27 langen bayerischen Jahre bis zum Tod in Burghausen.

Rezension: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller

Marita A. Panzer
Hedwig
Die Braut der Landshuter Hochzeit
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2020, 111 Seiten, € 14,95

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