Gersman, Gudrun / Langbrandtner, Hans-Werner (Hrsg.) Im Banne Napoleons – Rheinischer Adel unter französischer Herrschaft - wissenschaft.de
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Gersman, Gudrun / Langbrandtner, Hans-Werner (Hrsg.)

Im Banne Napoleons – Rheinischer Adel unter französischer Herrschaft

Die „Franzosenzeit“ im Rheinland brachte tiefgreifende Umbrüche für die Region. Besonders betroffen war der rheinische Adel, er verlor Titel und Privilegien. Die französische Präsenz hatte einen starken Modernisierungsschub zur Folge. Trotz der geographischen und kulturellen Nähe des Adels zu Frankreich war eine nähere Beschäftigung mit dem Adel unter französischer Herrschaft ein Desiderat der Forschung. Das Quellenlesebuch „Im Banne Napoleons“ vermittelt nun einen aufschlussreichen Einblick in die Welt des rheinischen Adels um 1800 und bietet Grundlagen für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Im Mittelpunkt der Edition stehen die Reaktionen und Meinungen des Adels auf die französische Herrschaft. Beim Vormarsch der Franzosen von 1794 an verließen viele Adelige fluchtartig das Land. Ihre Schlösser und Burgen dienten den Franzosen als Versorgungslager. Die in der Heimat verbliebenen Adeligen mussten sich mit der neuen Situation auseinandersetzen. Die neuen Bürger teilten sich alsbald in zwei Lager auf: erbitterte Gegner der neuen Verhältnisse oder aber Anhänger wie Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, der sich nicht nur arrangieren, sondern sogar berufliche Aufstiegsmöglichkeiten als Präsident der Kantonalversammlung realisieren konnte.

Die Annexion des linken Rheinufers hatte kulturelle, wirtschaftliche und politische Transformationsprozesse zur Folge. Was die rechtliche Gleichstellung durch den Code Civil und damit der Verlust der Privilegien für die Adeligen bedeutete, lässt sich ebenso aus den Zeugnissen herauslesen wie der französische Einfluss auf Gesellschaftsleben und Religion oder die finanzielle Krise des Adels. Die Befreiungskriege 1813/14 und 1815 beendeten die französische Herrschaft im Rheinland, das sich fortan an Preußen orientierte. Das frühere französische Engagement der rheinischen Adelssöhne, beispielsweise im Dienst der Grande Armée, wurden zur Schande im deutsch-preußischen Nationalbewusstsein. Die Dokumente skizzieren also ein differenziertes und häufig auch widersprüchliches Bild des Adels während der „Franzosenzeit“.

Die Herausgeber Hans-Werner Langbrandtner und Gudrun Gersman präsentieren mehr als 140 zumeist noch unveröffentlichte Archivquellen aus 20 rheinischen Adelsarchiven. Die ausgewählten Quellen veranschaulichen die rheinischen Besonderheiten der Epoche, welche aus der engen Nachbarschaft zu Frankreich entstanden und sich besonders im Alltagsleben bemerkbar machten.

Diese gelungene Quellenedition erschließt ein wichtiges Thema der Sattelzeit im Rheinland. Es wendet sich an Historiker ebenso wie an interessierte Laien. Zahlreiches Zusatzmaterial, darunter Kurzbiographien der wichtigsten Personen aus Adel, Militär und Kultur, eine Zeitleiste, Karten, Abbildungen und kurze Einleitungen in die jeweiligen Kapitel, lädt zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema ein.

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Rezension: Christina Reich

Gersman, Gudrun / Langbrandtner, Hans-Werner (Hrsg.)
Im Banne Napoleons – Rheinischer Adel unter französischer Herrschaft
Klartext Verlag, Essen 2013, 336 Seiten, Buchpreis € 24,95
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