Holland, Tom Im Schatten des Schwertes – Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs - wissenschaft.de
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Holland, Tom

Im Schatten des Schwertes – Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs

Wenn fachferne Laien historische Abhandlungen verfassen, dann sollte man diese Publikationen besonders gründlich unter die Lupe nehmen. Dies gilt auch für das Buch „Im Schatten des Schwertes“ des britischen Schriftstellers Tom Holland. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Entstehung des Islams und des ersten Großreichs der Araber im Kontext der religiösen und politischen Entwicklungen der Spätantike zu schildern.

Tom Holland, der, wie er selbst sagt, „als Tor in einen Bezirk hineinstolpert“, beherrscht weder Arabisch noch Syrisch-Aramäisch (über das Mittelpersische, Hebräische und Griechische macht er keine Angaben) und ist daher auf übersetzte Quellen, wissenschaftliche Sekundärliteratur und Gespräche mit Fachleuten angewiesen. Da er neben zentralen Aspekten des Judentums, des Christentums und des Islams auch die oströmische, das heißt byzantinische, die persische und die arabische Kultur behandelt, bietet die Materie allein schon so viele Fallstricke, dass ein einzelner Autor – sei er nun Laie oder Fachmann – stolpern muss.

Folglich hat dieses Buch einige Mängel, die es unverantwortlich erscheinen lassen, die Arbeit einem allgemeinen breiten Publikum anzuempfehlen. Zu diesen Mängeln zählt zum einen der reißerische Sprachstil, der schon im Titel beginnt („Im Schatten des Schwertes“ – eine einseitige Reduzierung des Inhalts auf das Militärische) und sich im übermäßigen Gebrauch von Superlativen und Füllwörtern fortsetzt (ein besonders unsinniges Beispiel: „ein Blitz aus heiterstem Himmel“).

Darüber hinaus weist das Buch begriffliche Schwächen auf. Die Byzantiner „Römer“ zu nennen ist schlichtweg falsch, denn die Selbstbezeichnung als Romaioi meint nur die politische Tradition, in die sie sich stellten, bezieht sich aber nicht auf kulturelle, ethnische und religiöse Aspekte. Entsprechend ist unklar, was der Autor mit „römischem Volk“ bzw. „muslimischem Volk“ meint. Zudem verliert er sich in zahllosen Spekulationen (wie er selbst zugibt), nimmt inhaltlich die Perspektive seiner Quellen ein und verwendet das Quellenmaterial so bruchstückhaft, dass er deren Intention teils entsprechend seiner eigenen Argumentation verdreht.

Unklar ist weiterhin, warum politische und religiöse Entwicklungen des 2. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. in einem islamischen Rahmen erzählt werden, siehe die Kapitelüberschrift „Jahiliyya“, obwohl das Kapitel vom Sassaniden- bzw. Byzantinischen Reich handelt; überhaupt bleiben die meisten Kapitelüberschriften kryptisch. Zahlreiche Rechtschreib-, Transkriptions- und Übersetzungsfehler runden den negativen Gesamteindruck ab. Ein Leser, der sich für Spätantike und islamische Frühzeit interessiert, sollte daher die allgemeinverständlichen und zugleich sachlich richtigen Darstellungen eines Fachmanns vorziehen. Ein gutes Beispiel ist etwa die zuverlässige Monographie Fred Donners „Muhammad and the Believers“ (Harvard University Press 2010).

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Rezension: Prof. Dr. Jens Scheiner

Holland, Tom
Im Schatten des Schwertes – Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs
Klett-Cotta, Stuttgart 2012, 532 Seiten, Buchpreis € 29,95
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