Pedro Barceló Impressionen zur Antike - wissenschaft.de
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Pedro Barceló

Impressionen zur Antike

dam0719bue01.jpgUm in der beachtlichen Zahl von Gesamtdarstellungen der antiken Geschichte noch Aufmerksamkeit zu finden, bedarf es in erster Linie einer überzeugenden Konzeption. Der spanisch-deutsche Althistoriker Pedro Barceló hat sich gegen einen chronologischen Bericht und für ein eher mosaikartiges Verfahren entschieden – eine „Sammlung von Impressionen zur Geschichte und zu Geschichten der Alten Welt“.

So führt, um ein Beispiel zu nennen, das Kapitel „Mythos und Historie“ auf gut 70 Seiten von den Epen Homers über die Mythen der Demokratie und den Alexander-Mythos zu den idealisierten Vergangenheitsbildern der Römer sowie zur Konstruktion des Barbaricum – von Herodot bis in die Völkerwanderungszeit. Die Kapitel zu Großthemen wie „Land und Meer“, „Kult und Erlösung“, „Herrschen und Dienen“ sowie „Krieg und Gewalt“ schreiten jeweils die gesamte Antike ab.

Wer sich in den Grundlagen einigermaßen auskennt, findet in den folgenden Abschnitten unter Titeln wie „Regierungsstile – Herrschaftsformen“ oder „Monotheismus als politisches Problem“ bisweilen überraschende Zuspitzungen. So stellt der Autor dem Entwurf Solons, den gesamten Bürgerverband in die politische Verantwortung für das Gedeihen Athens zu nehmen, das islamische Kalifat gegenüber, das als theokratisches System „keine Verfassung, keinen Wandel, im Grunde genommen auch keinen Staat und keine Politik“ benötige. Das ist pointiert formuliert; die präziseren Argumente für diese Position finden sich bei Egon Flaig.

Der Anlage des Buches entsprechend, sucht Barceló auch sprachlich zu differenzieren: Neben beschreibenden oder erzählenden Passagen stehen eher locker skizzierte Beispiele sowie biographische Vignetten. Ansprechend wird beispielsweise ein Brief Caesars als kaum verschlüsseltes Programm einer monarchischen Herrschaft interpretiert. Hin und wieder lässt der Autor auch den Forscher durchscheinen, der sich in einem „investigativen Duktus“ zu offenen oder strittigen Fragen äußert und auf diese Weise zugleich deutlich macht, wie es mit unseren vermeintlich gesicherten Einsichten oft steht.

Leider pflegt der Autor einen schwerfälligen Nominalstil und ist begrifflich häufig sorglos. Seine Summe einer ebenso langjährigen wie leidenschaftlichen Forschungs- und Lehrtätigkeit verdient dennoch Beachtung, weil sie sich auf gewandelte, „chaotischere“ Lesegewohnheiten einstellt, durchaus ein Wissensfundament legt (jedoch ohne Register und Zeittafel) und konkret vorführt, welche Funken der Erkenntnis gerade in unserer Zeit aus der Antike als einer „Quelle der Inspiration und Erfahrung für menschliche Grenzsituationen“ herauszuschlagen sind.

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Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter

Pedro Barceló
Die Alte Welt
Von Land und Meer, Herrschaft und Krieg, Mythos, Kult und Erlösung
wbg Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2019, 704 Seiten, € 35,–

 

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