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Brogini-Künzi, Giulia

Italien und der Abessinienkrieg 1935/36 – Kolonialkrieg oder Totaler Krieg?

1935/36 eroberte Italien Äthiopien und vereinigte es mit Eritrea und Somalia, die bereits seit etwa 1890 italienische Kolonien waren, zu „Italienisch Ost-Afrika“. König Viktor Emanuel nannte sich fortan, allerdings nur ein gutes Jahrfünft lang, „Kaiser von Äthiopien“. Giulia Brogini Künzi hat die erste umfassende Darstellung jenes Krieges in deutscher Sprache geschrieben. Die im Untertitel gestellte und dann im vierten Kapitel detailliert erörterte Frage, ob er „Kolonialkrieg“ oder „totaler Krieg“ war, wird differenzierend beantwortet. Die Grundlage dafür bildet das einleitende Kapitel, welches umfassend über Quellen und Literatur informiert. Hervorgehoben werden die politikgeschichtlichen Analysen von Renzo De Felice (1974), die zahlreichen Studien von Angelo Del Boca (1965–1998), in denen zunehmend auch die in Äthiopien verübten Kriegsverbrechen behandelt werden, sowie die von Emilio Gentile über ideologische Hintergründe. Von deutschen Beiträgen wird der von Manfred Funke über Hitlers zeitweilige Unterstützung Äthiopiens gewürdigt. Durch Auswertung der zeitgenössischen Publizistik und archivalischer Quellen, so die über die Rassentrennung in Äthiopien nach dem Krieg, erweitert das Buch den Forschungsstand. Der Krieg von 1935/36 war (noch) ein Kolonialkrieg. Italien hatte schon 50 Jahre zuvor auch Äthiopien erobern wollen. Ost- und nordafrikanische Kolonien gehörten seitdem zum Programm des italienischen Nationalismus, welches Mussolini sich voll zu eigen gemacht hatte: Das „faschistische Imperium“ wurde seit 1922/23 ein Leitmotiv. In den 1920er Jahren wurde Libyen zurückerobert. Zur Eroberung Äthiopiens mußte Mussolini erst aufrü-sten und eine günstige Situation abwarten; sie kam, als er sich nach 1933 zunächst gegen Hitler stellte und die Westmächte ihm dafür „freie Hand“ in der einzigen Region Afrikas ließen, die noch nicht kolonialisiert war. Schon, um schnell zu siegen, ließ der Duce den Krieg so führen, daß er „totale“ Züge annahm: mit allen modernen Waffen, außerdem mit Giftgas und gegen die Zivil‧bevölkerung. Hinzu kam eine neuartige Propaganda. Auch das humane und als Staat zunächst liberale Italien hatte sich schnell mit dem zerstörerischen Nationalismus infiziert. Das hätte im Schlußteil, in dem immerhin das am Beispiel Äthiopiens entwickelte Konzept des „integralen“ Krieges nachgewiesen wird, deutlicher angesprochen werden müssen. Dieser „integrale Krieg“ verweist bereits auf den Zweiten Weltkrieg.

Rezension: Lill, Rudolf

Brogini-Künzi, Giulia
Italien und der Abessinienkrieg 1935/36 – Kolonialkrieg oder Totaler Krieg?
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2006, 375 Seiten, Buchpreis € 44,90
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