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Göbelsmann, Laura C.

Jenseits des Grüns – Cornwall und seine industrielle Vergangenheit

Es ist hierzulande bei vielen Menschen ein gefürchtetes Wort: Strukturwandel. Der Niedergang des Bergbaus scheint unaufhaltsam. Auch in anderen Regionen Europas mussten in den vergangenen Jahrzehnten ganze Reviere ihren Betrieb aufgeben. So erging es auch Cornwall, im äußersten Südwesten Englands gelegen. Der cornische Erzbergbau besaß bereits eine jahrtausendealte Tradition, bevor die Grafschaft während der Phase der Industriellen Revolution zum größten Kupfer- und Zinnproduzenten der Welt aufstieg. Laura C. Göbelsmann beschreibt in ihrem Buch „Jenseits des Grüns. Cornwall und seine industrielle Vergangenheit“ Aufstieg und Niedergang dieses für das Empire so bedeutenden Wirtschaftszweigs.

Obwohl den Erzen aus dem wohl periphersten Winkel der Insel weltweite Bedeutung zukam, ist die Geschichte vom cornischen Bergbau auch unter regionalen Gesichtspunkten interessant. Kupfer und Zinn waren die zentralen Erzeugnisse der Region. Der Bergbau beschäftigte einen großen Teil der einheimischen Bevölkerung. Nicht nur Männer arbeiteten unter Tage, auch Kinder und Frauen wurden von den sogenannten „Kapitänen“ – den Bergwerksvorstehern – angestellt. Die „Bal Maidens“ bildeten eine für das viktorianische England außergewöhnliche soziale Schicht: Sie erlangten durch ihre Berufstätigkeit eine gewisse finanzielle Selbstständigkeit und dadurch auch ein hohes Maß an Selbstbewusstsein. Von Außenstehenden wurde ihre Arbeit in diesem harten Metier allerdings als unschicklich, da nicht dem zarten Wesen einer Frau angemessen, empfunden.

In gewisser Weise erzählt das Buch eine Geschichte der Industriellen Revolution im Kleinen. Wichtige Personen und Erfindungen, die den technischen Fortschritt von England aus zuerst nach Europa und dann in die ganze Welt exportierten, sind für das Werk über den cornischen Erzbergbau vom späten 18. Jahrhundert an von immenser Bedeutung. So spielten James Watt und die von ihm entscheidend verbesserte Dampfmaschine eine große Rolle für die Rationalisierung der Arbeitsabläufe in den Stollen. Ebenso gibt die Historie des Kupfer- und Zinnabbaus auf der Halbinsel während des 19. und 20. Jahrhundert einen exemplarischen Einblick in jene strukturellen Zusammenhänge und Probleme, die für die Ära der Industrialisierung so typisch waren: Sie erzählt von Kapital und Arbeit, von Reichtum und Elend, von Krisen und Reformen.

Zehn Jahre hat die Autorin für das Buch recherchiert, meistens vor Ort: Sie hat wiederholt die stillgelegten Reviere besucht, mit ehemaligen Bergwerksarbeitern gesprochen und die Landschaften Cornwalls durchkämmt, immer auf der Suche nach interessanten Geschichten, die das entbehrungsreiche Leben der Bergleute zuhauf schrieb. Präsentiert werden diese Erfahrungen auf sprachlich anspruchsvolle Weise, zum Teil erreicht das Ergebnis gar literarisches Niveau. Man muss jedoch die Frage stellen, ob dieser Schreibstil der Vermittlung des Sachgehalts manchmal nicht eher abträglich ist. Hinzu kommt eine etwas undurchsichtige Gliederung, die es dem Leser erschwert, die Materie systematisch zu durchdringen. Ein gefestigtes Vorwissen zum Thema Erzbergbau ist daher mit Sicherheit bei der Lektüre von Vorteil. Freilich ist „Jenseits des Grüns“ nicht als Kompaktwissenswerk zu Cornwalls industrieller Vergangenheit gedacht, sondern vielmehr als literarischer Streifzug durch die jüngere Vergangenheit einer der schönsten Gegenden Englands und Herzensangelegenheit der Autorin. So sei das Buch jedem empfohlen, der die Geschichte des Bergbaus in Cornwall auf kurzweilige, anekdotenreiche und dennoch informative Weise kennenlernen will.

Rezension: Andreas Thörel

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Göbelsmann, Laura C.
Jenseits des Grüns – Cornwall und seine industrielle Vergangenheit
Promedia Verlag, Wien 2011, 230 Seiten, Buchpreis € 17,90
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