Peter Heather Justinian und die Mittelmeerwelt - wissenschaft.de
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Peter Heather

Justinian und die Mittelmeerwelt

dam0719bue03.jpgDer Autor, ein führender Spätantike-Forscher, publiziert seit einigen Jahren Überblicksdarstellungen, die sich, obgleich voraussetzungsreich, an ein Publikum auch außerhalb der Universität richten. Heather zeichnet in seinem neuesten Buch mit souveränen Strichen ein Bild der Regierungszeit Justinians und, darüber hinaus, eines der Mittelmeerwelt zwischen 400 und den ersten großen Eroberungen des Islams.

Auf biographische Annäherungen an die Person Justinians, die in Grenzen durchaus möglich wären, verzichtet er. Stattdessen konzentriert sich Heather, mehr, als es deutsche Forscher tun würden, auf Justinians Kriege. In vielem ein neuer Prokop – die zentrale, von Heather mit Recht hochgeschätzte Quelle für das Zeitalter –, beschreibt er die militärischen Operationen oft bis ins Detail, während die Kirchenpolitik und die religiösen Entwicklungen eher pflichtgemäß abgehandelt werden.

Dass aber die große Pest nur nebenbei besprochen wird, überrascht. Selbst wenn die ökonomischen Folgen der Seuche nicht allzu groß gewesen sein sollten – so Heather –, waren ihre Auswirkungen auf die Mentalitäten und auf den Zeitgeist der späteren Jahre Justinians enorm.

Insgesamt vermag Heathers Darstellung aber zu überzeugen. Der angelsächsische Stil, einer der Hauptgründe für die Übertragung solcher Bücher, wirkt eher zurückgenommen, doch rührt dies auch von einer holprigen Übersetzung her, die das Original gelegentlich sogar missversteht. Ein wichtiger Abschnitt zu den Quellen, in der englischen Ausgabe ein zentraler Teil der Einleitung, findet sich hier in den Anhang verbannt. Offenbar traut der Verlag seinen Lesern nicht (mehr) zu, sich an zentraler Stelle mit wissenschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen.

Heather zieht am Schluss eine Bilanz: Justinians Eroberungspolitik habe sich ökonomisch insgesamt ausgezahlt, für die Katastrophen späterer Jahrzehnte könne er nichts. Den Verlust weiter Teile der Levante an die neue islamische Herrschaftsbildung hätten Justinians Nachfolger verschuldet. Dieses Urteil ist gut untermauert, und es trägt neueren Forschungstrends Rechnung: Justinians Tod 565 wird nicht mehr als Endpunkt des Römischen Reichs und als Auftakt zum Untergang gesehen, sondern als eher unbedeutender Einschnitt in der Entwicklung der antiken Zivilisation, die noch die Formierungsphase des Islams wesentlich beeinflusste.

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Ungeschoren kommt der Kaiser aber bei Heather nicht davon: Er habe keine moderne, strategische Außenpolitik betrieben, sondern sei internen politischen Agenden und einem unverblümten Opportunismus gefolgt, im Dienst des eigenen Machterhalts. Zweifellos richtig – aber ist das heute, insbesondere bei erfolgreicher Politik, wirklich anders?

Rezension: Prof. Dr. Rene Pfeilschifter

Peter Heather
Die letzte Blüte Roms
Das Zeitalter Justinians
wbg Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2019, 448 Seiten, € 35,–

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