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Weinfurter, Stefan

Karl der Große – Der heilige Barbar

Am 28. Januar 2014 jährte sich der Todestag Karls des Großen zum 1200. Mal – Anlass genug für Verlage und Wissenschaft, neue Biographien zu publizieren. Bereits in den vergangenen Jahren sind gut zehn Monographien erschienen, die dem ersten Frankenkaiser gewidmet sind. Da ist es nicht einfach, seiner Herrschaft neue Facetten abzugewinnen. Dem Heidelberger Mediävisten Stefan Weinfurter ist dies gelungen. In einem klugen einführenden Kapitel beleuchtet er „unser Verhältnis zur Epoche Karls des Großen“ und kontrastiert hier die Position der heutigen Forschung, „dass es ebenso viele Wahrheiten gibt wie Kulturen und deren Traditionen in der Welt“, mit dem Streben Karls des Großen nach „Eindeutigkeit“ in allen Lebensbereichen. Dabei kann er sich auf Einhard berufen, den Zeitgenossen und Biographen Karls: Dieser habe jede Unbestimmtheit beseitigen wollen. Die theoretische Vorlage dazu, so Weinfurter weiter, habe der Frankenherrscher Augustins „De civitate Dei“ entnommen, einem Werk, das er bekanntermaßen besonders schätzte. In Analogie dazu habe Karl ein „christlicher Gottesstaat“ vorgeschwebt. Damit setzt sich Weinfurter von Tendenzen in der Forschung ab, mittelalterlichen Herrschern allgemein lediglich das Anliegen zuzuschreiben, mit Hilfe von Ritualen ihre Stellung in der Welt darzustellen, während sie ansonsten nicht in der Lage gewesen seien, eine gezielte Politik zu betreiben. Laut Weinfurter wollte gerade Karl der Große mehr: Er reformierte sein Reich im Innern, um sowohl in der Liturgie der Kirche als auch im Verhältnis von Herrscher und Untertanen Klarheit zu schaffen. Auch des Mönchtums, der Bildung, des Gerichtswesens, der Maße und Gewichte und sogar der Monatsnamen habe sich der Herrscher in seinem Vereinheitlichungsdrang angenommen. Selbst seine Kriege gegen Langobarden, Sarazenen, Sachsen, Bayern und Awaren interpretiert der Autor unter diesem Blickwinkel. Die langwierige Eroberung Sachsens, um das prominenteste Beispiel zu nennen, habe sich nicht etwa als Folge einer Eskalation der Gewalt zwischen beiden Konfliktparteien von einem lokalen Grenzkonflikt zu einem Eroberungs- und Missionskrieg entwickelt, sondern sei von Karl von Anfang an als solcher geplant gewesen. Was die langfristigen Wirkungen von Karls Politik angeht, so schätzt Weinfurter diese positiver ein als viele seiner Kollegen: Das Ideal der Vereinheitlichung sei zwar ein unrealistisches Ziel gewesen, dennoch seien die Anstrengungen zu seiner Umsetzung letztlich nicht vergebens gewesen, gerade was die Bildung und das Mönchtum angehe. Vielmehr sei Karl der Große die „Leitfigur einer besonderen Epoche“ gewesen, deren Anliegen teilweise bis in heutige Zeit weiterwirkten, auch wenn Weinfurter einer schlichten Gleichsetzung des sich vereinigenden Europas mit dem karolingischen Imperium natürlich nicht das Wort redet. Sein Buch sei daher jedem empfohlen, der Karl dem Großen aus neuer Perspektive begegnen und sich über ihn prägnant und kompetent informieren will.

Rezension: Prof. Dr. Matthias Becher

Weinfurter, Stefan
Karl der Große – Der heilige Barbar
Piper Verlag, München 2013, 352 Seiten, Buchpreis € 22,99
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