Sonnabend, Holger Katastrophen in der Antike - wissenschaft.de
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Sonnabend, Holger

Katastrophen in der Antike

Da Unglücke und Katastrophen medial allgegenwärtig und gleichwohl nur vergleichsweise wenige Menschen von ihnen betroffen sind, tut sich eine Kluft zwischen Aufmerksamkeit und Erfahrung auf. In diese Lücke stößt das vorliegende Buch. Der Althistoriker Holger Sonnabend hat 1999 eine Darstellung antiker Naturkatastrophen vorgelegt. Nunmehr bietet er auf 30 Seiten eine Kurzfassung dieses Werkes; danach plaudert er in neun weiteren Kapiteln über alle Arten von jähen negativen Unterbrechungen eines gleichförmigen Alltags – so könnte man seinen inflationär aufgeblähten Katastrophenbegriff in angemessener Allgemeinheit vielleicht umreißen.

Behandelt werden Epidemien, Hungerkatastrophen, kriegerische und politische Katastrophen (darunter simple Niederlagen oder der Tod des Perikles), Finanz-, Brand- und Schiffskatastrophen sowie, um die begriffliche Unschärfe auf die Spitze zu treiben, private Katastrophen (anhand von drei Grabinschriften). Als Bonus gibt es einen ereignisgeschichtlichen Abriss zur Geschichte der späten Republik, Notizen zu prominenten Todesfällen und etwas zum „Mechanismus von Kythera“, einer Räderuhr mit Kalenderfunktion, die in einem zwischen 70 und 60 v. Chr. gesunkenen Schiff gefunden wurde.

Einen „Beitrag zur historischen Katastrophenforschung“ leistet das Buch sicher nicht, und um den „Erfahrungsschatz, den die Antike im Hinblick auf Katastrophen aller Art gesammelt hat“, fruchtbar zu machen „zur Orientierung auch in Bezug auf moderne Katastrophen“, ist ein derartiges Panoptikum ungeeignet.

Immerhin, man erfährt quellennah und leicht fasslich mancherlei Interessantes, wie beim Blättern in einem antiken Buntschriftsteller. Etwa über den damaligen Katastrophentourismus, der sich zu der 373 v. Chr. durch Erdbeben und Tsunami vernichteten Stadt Helike am Golf von Korinth entwickelte, oder über die Erfindung von Naturkatastrophen durch antike Geschichtsschreiber, die damit ihre Schilderung verheerender Kriege noch dramatisierten.

Gibt es einen „Fortschritt“ seit der Antike? Dazu zwei Episoden: Selbst extrem gefährdete Regionen blieben damals kontinuierlich besiedelt, wenn sie so attraktiv waren wie die nordsyrische Stadt Antiochia. Eingreifende Prävention hingegen unterblieb in der Regel; so konnte Kaiser Tiberius 15 n. Chr. eine hydrologische Befriedung des Tiber nicht gegen Orakel und widerspenstige Anwohner durchsetzen.

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In der Moderne wurden und werden dagegen Flüsse bis zur Unkenntlichkeit reguliert und denaturiert, um neue Flächen gewinnen zu können – und wieder kommt nach einer Überschwemmungskatastrophe niemand auf die Idee, dass man dort eigentlich nicht wohnen sollte, sondern baut neue, höhere Dämme.

Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter

Sonnabend, Holger
Katastrophen in der Antike
Philipp von Zabern, Darmstadt 2013, 160 Seiten, Buchpreis € 19,99
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Gru|ben|ot|ter  〈f. 21; Zool.〉 Angehörige einer Familie von Giftschlangen mit einer grubenartigen Vertiefung zw. Augen u. Nasenöffnung, die als Temperatursinnesorgan dient u. zum Auffinden der Beute benutzt wird: Crotalidae

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