Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Hamann, Christof/Honold, Alexander

Kilimandscharo – Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges

Wie hoch ist Deutschlands höchster Berg? Die Zugspitze mit 2 962 Metern, möchte man meinen. Vor 100 Jahren aber musste die Antwort anders lauten: 5 895 Meter musste es da heißen. Der höchste deutsche Berg lag nämlich in Afrika, genauer in Deutsch-Ostafrika, heute Tansania. Und man war sehr stolz auf diesen Berg und auf das, was er symbolisierte: deutschen Wagemut und deutsche Weltgeltung.

Ein Deutscher, der Geograph Hans Meyer, hatte ihn als Erster bestiegen und damit einen höchst symbolischen Beitrag zur wissenschaftlichen Erkundung der Welt geleistet. Um den schneebedeckten Berg am Äquator rankten sich nämlich allerlei Gerüchte, sogar, dass es ihn überhaupt gab, wurde von wissenschaftlichen Autoritäten immer wieder bezweifelt. Schnee am Äquator, wie sollte es das geben in der heißesten Zone des Globus? Andererseits würde die Existenz schneebedeckter Bergkuppen an den Quellen des Nils die Nilschwemmen erklären, eines der großen geographischen Rätsel seit der Antike.

Wie Christof Hamann und Alexander Honold in ihrem beeindruckenden Buch schildern, vermischte sich die Suche nach dem mysteriösen Schneeberg am Äquator mit der nach den mindestens genauso geheimnisvollen Ursprüngen des Nils. Wem diese „Entdeckung“ gelang, dem war nicht nur persönlicher Ruhm sicher, sondern auch der Dank seiner Nation, denn die Jagd nach Rekorden, Entdeckungen und Erstbesteigungen war im beginnenden Imperialismus längst keine Privatsache mehr, und auch keine Angelegenheit nur der Wissenschaft. „Entdeckungen“ wurden jenseits von Ruhm und Ehre in ganz konkrete Besitzansprüche umgemünzt, so auch beim Kilimandscharo, diesem „Kollektivsymbol, mit dem Schulkinder ebenso wie Erwachsene im Kaiserreich die Macht und die Größe assoziierten“, wie die Autoren treffend schreiben.

Überzeugend rekonstruie-ren Hamann und Honold die Kulturgeschichte des Kilimandscharo und bringen dabei längst Vergessenes ans Licht. Sie beschreiben nicht nur den Berg als „Populärsymbol deutscher Größe“, sondern auch, wie wichtig koloniale Phantasien für das deutsche Selbstverständnis waren. Dass die Autoren dies in die internationale Geschichte der europäischen Erschließung Afrikas einbinden, macht das Buch noch lesenswerter.

Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

Anzeige
Hamann, Christof/Honold, Alexander
Kilimandscharo – Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges
Wagenbach Verlag, Berlin 2011, 190 Seiten, Buchpreis € 22,90
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

Hören Sie hier die aktuelle Episode:

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Kehl|kopf  〈m. 1u; Anat.〉 knorpeliges Eingangsteil der Luftröhre u. Organ der Stimmbildung

♦ Elek|tro|nen|or|gel  〈f. 21〉 orgelähnl. Musikinstrument, bei dem der Ton nicht durch Pfeifen, sondern durch Elektronenröhrchen erzeugt u. auf einen Lautsprecher übertragen wird

♦ Die Buchstabenfolge elek|tr… kann in Fremdwörtern auch elekt|r… getrennt werden.

Ova|ri|al|hor|mon  〈[–va–] n. 11; Med.〉 Geschlechtshormon, das im Eierstock gebildet wird

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]