Altgeld, Wolfgang (Hrsg.) Kleine italienische Geschichte - wissenschaft.de
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Altgeld, Wolfgang (Hrsg.)

Kleine italienische Geschichte

Zur Reihe der „Kleinen Geschichten“ des Reclam-Verlages hat sich ein neuer Band hinzugesellt, der in handlichem Format mehr als 1000 Jahre italienischer Geschichte zusammenfaßt. Die fünf Autoren Wolfgang Altgeld, Thomas Frenz, Angelica Gernert, Michael Groblewski und Rudolf Lill führen durch die Zeitläufte von Otto dem Großen bis in die Gegenwart. Die Hälfte der acht Kapitel hat Rudolf Lill verfaßt, der mit seiner „Geschichte Italiens in der Neuzeit“ bereits vor mehr als 20 Jahren ein Standardwerk zum Thema vorgelegt hat.

Die Strukturierung aller Kapitel durch Abstracts und Zeitleisten erleichtert die Orientierung und gezieltes Nachlesen. Geschickt wird der Leser zunächst in die Kleinteiligkeit der italienischen Territorien eingeführt. Die Aufteilung in kurze Kapitel hilft, den Überblick zu behalten, wenn im 10. Jahrhundert im Norden Kaiser und Papst um die Macht ringen, während die Sarazenen auf Sizilien ein islamisches Staatswesen installieren, die Normannen erst Rom verwüsten und wenig später in päpstlichem Auftrag die sarazenischen Territorien erobern. Bemerkenswert, daß bei aller notwendigen Knappheit noch Raum bleibt, auf Grundsätzliches einzugehen, wie etwa auf die Funktion des Podestà in der mittelalterlichen Stadt. Unversehens ist man in der Renaissance angelangt. Während die Darstellung bisher auch sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Faktoren berücksichtigte, dominiert fortan leider die politische Geschichte: Die Geschicke der erfolgreichen Städte im Norden, der zunehmend wirtschaftlich unterlegenen Territorien im Süden und der sich über die Jahrhunderte abwechselnden Herrschaften anderer europäischer Mächte über Teile des „Stiefels“ werden nun geschildert. Italien also als Zankapfel europäischer Großmächte, als Kriegsschauplatz von Spanischem und Österreichischem Erbfolgekrieg, in dem spätestens mit der Eroberung durch Napoleon nationale Töne angeschlagen wurden: Eine „verspätete“ Nation, deren Staatsbildung Parallelen zur deutschen Geschichte aufweist. Das 19. und 20. Jahrhundert nehmen rund die Hälfte des Bandes ein. Die entscheidenden politischen Begebenheiten werden so detailkundig dargestellt, daß auch Leser mit Vorkenntnissen den Band mit Gewinn konsultieren können. Politische Wertungen nehmen auf die Gegenwart hin zu, bleiben aber transparent und pointieren die Darstellung. Ein Aspekt trübt jedoch den Gesamteindruck: Die Italienerinnen kommen kaum vor. Wichtige Ereignisse, wie die Einführung des Frauenwahlrechts 1946, bleiben unerwähnt. Sucht man also eine eher konventionelle Darstellung der Geschichte Italiens, dann ist dieses Buch ein verläßlicher Begleiter für die nächste Italienreise.

Rezension: Pieper, Anke

Altgeld, Wolfgang (Hrsg.)
Kleine italienische Geschichte
Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2002, 517 Seiten, Buchpreis € 11,10
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