Moutier, Marie „Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen.“ – Briefe deutscher Wehrmachtssoldaten - wissenschaft.de
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Moutier, Marie

„Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen.“ – Briefe deutscher Wehrmachtssoldaten

Feldpostbriefe sind auch im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite wahrscheinlich zu Milliarden gewechselt worden, stellten sie doch (neben Päckchen) das zentrale Kommunikationsmittel zwischen Front und Heimat dar. Sie gehorchten, wie seit Jahrzehnten erarbeitet worden ist, bestimmten Kommunikationsmustern; so wollte man die jeweils andere Seite möglichst wenig beunruhigen.

In der zweiten Kriegshälfte etwa kam häufiger „noch“ vor – „uns geht es ja noch gut“. Für diesen Band hat eine französische Autorin aus dem Berliner Museum für Kommunikation aus etwa 16000 nun 97 einzelne Briefe ausgewählt. Einleitend macht sie uns allein mit der Kriegssituation von 1939 bis etwa 1941 vertraut, druckt aber Briefe aus dem ganzen Weltkrieg bis 1945 ab.

Eine möglichst große Vielfalt nach Zeit und Kriegsorten bildet also das zentrale Kriterium. Verständlicherweise kommt Frankreich häufiger vor, aber auch wichtige Aspekte etwa des Ostkrieges und der Kämpfe in Afrika werden angesprochen. Das Buch ist strikt chronologisch angeordnet, verzichtet also auf eine Bündelung nach „Schauplätzen“ oder auch nach Personen; da wären ganz andere Zusammenhänge denkbar. Gut ist, dass die Briefe vollständig wiedergegeben sind. Sie berichten also von den außergewöhnlichen Erlebnissen überall in Europa und ebenso von der Alltagskommunikation um Briefsendungen, Krankheiten usw. Leider sind keine Gegenbriefe aus der „Heimat“ dabei, wo es doch durchaus wichtigen Austausch gab.

„Die Kämpfer Hitlers als Menschen zu sehen, mag Unbehagen auslösen“, schreibt die Autorin – wohl eher für ein französisches Publikum. Warum? Stellt man sich deutsche Soldaten als fanatische Kampfmaschinen vor? Wo es doch gerade in diesem Band um das alltägliche Nebeneinander von erschreckenden Berichten über Gewalt, rassistische Vorurteile und Tod der anderen geht, der relativ teilnahmslos registriert wird, bis ein Schreiber nahtlos etwa mit der Tabakration oder den durch Plündern entstandenen manchmal komfortablen Zuständen der Einquartierungen, aber auch mangelnder Hygiene fortfährt. Die Briefsammlung liefert so ein vielfältiges Panorama deutschen Soldatenlebens, das Lesern, die noch nie etwas vom Thema gehört haben, instruktiv erscheinen mag.

Problematisch ist aber die Edition. Die Herausgeberin ist rudimentär mit der Forschungssituation vertraut, macht keine groben Fehler. Aber ihre Überschriften und Einführungen zu den einzelnen Briefen wie die Anmerkungen dazu kommen ganz von außen her, entwickeln dazu auch noch empathisch deutenden Ehrgeiz. Das ist leider oft naiv bis verfehlt.

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Rezension: Prof. Dr. Jost Dülffer

Moutier, Marie
„Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen.“ – Briefe deutscher Wehrmachtssoldaten
Karl Blessing Verlag, München 2015, 383 Seiten, Buchpreis € 22,99
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