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Mierzejewski, Alfred C.

Ludwig Erhard – Der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft. Eine Biographie

In Zeiten, da die Soziale Marktwirtschaft auf dem Prüfstand steht und eine neue wirtschaftspolitische Orientierung gesucht wird, hat Ludwig Erhard wieder Konjunktur. Seine Konzeptionen einer liberalen Wirtschaftsordnung seien jedenfalls nach wie vor aktuell, schließt der amerikanische Historiker Alfred C. Mierzejewski sein Werk über Erhard.

In ihm zeichnet Mierzejewski den Werdegang Erhards, vor allem aber seine politischen Überzeugungen nach. Nach beruflichen Anfängen in der Wissenschaft begann nach 1945 Erhards politischer Aufstieg, zunächst bei der US-Militärregierung in Franken und im bayerischen Kabinett, dann als Direktor für Wirtschaft beim Frankfurter Wirtschaftsrat der Bizone, schließlich, sicherlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als Bundeswirtschaftsminister – ehe mit der Übernahme des Kanzleramts 1963 der Abstieg begann.

Als Wirtschaftsminister wurde er zum „Vater des Wirtschaftswunders“, das sich, wie Mierzejewski betont, nicht zuletzt den konzeptionellen Grundlagen und dem klugen Agieren Erhards verdankte. Auf diesem Posten stand Erhard stets in Rivalität zu Konrad Adenauer, den er nur nach zähem Ringen als Kanzler beerben konnte. Freilich wurde auch das Verhältnis Erhards zur westdeutschen Gesellschaft, so sein Biograph, seit der zweiten Hälfte der 1950er Jahre schwieriger. Denn „sein“ Wirtschaftswunder ließ die Ansprüche und Erwartungen der Bürger an staatliche Versorgungsleistungen wachsen, anstatt in ihnen die Bereitschaft zu Eigenvorsorge zu stärken. Der Expansion des Sozialstaats widersetzte sich auch Erhard nicht entschlossen genug. Damit wurden jedoch die Fundamente seiner Arbeit untergraben; der Staat konnte sich der Ansprüche der Bürger, vor allem der organisierten Interessen, nicht mehr erwehren.

Diese Biographie gibt einen fundierten Überblick, enthält freilich auch eine klare politische Botschaft. Mit erkennbar großer Sympathie wird hier Erhard als eigenständiger ökonomischer Denker (eine Überschätzung seiner Originalität) und als liberaler Individualist porträtiert, dem es stets um die Freiheit des einzelnen Menschen gegangen sei und der jede Form des Kollektivismus abgelehnt habe. Diese große liberale Erzählung setzt ein mit der Kontrastierung zweier Lazarettschicksale des Novembers 1918, Ludwig Erhards und Adolf Hitlers, und sie wird konsequent durchgehalten, auch um den Preis, die Überzeugungskraft einzelner Teile der Interpretation zu verringern: Erhards Konzept der „formierten Gesellschaft“ kann man nicht nur, wie hier, als liberales Programm lesen, sondern es war wohl vor allem zutiefst antipluralistisch ausgerichtet. Daß Erhards Image in den 1960er Jahren in der westdeutschen Gesellschaft an Glanz verlor, muß nicht nur an deren Wohlstandsfixierung liegen. Es könnte auch sein, daß einer wie Erhard nicht mehr recht in eine pluralistische, verwestlichte Gesellschaft paßte.

Rezension: Metzler, Gabriele

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Mierzejewski, Alfred C.
Ludwig Erhard – Der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft. Eine Biographie
Siedler Verlag, München 2005, 397 Seiten, Buchpreis € 24,00
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