Bart Van Loo Machtfaktor Burgund - wissenschaft.de
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Bart Van Loo

Machtfaktor Burgund

Im Prinzip handelt es sich bei diesem Buch um eine persönliche Zeitreise des 1973 in Antwerpen geborenen Autors zu den Ursprüngen der belgischen Nationalgeschichte. Frisch, ja unbekümmert, sehr belesen und auch jüngere fachwissenschaftliche Ansätze berücksichtigend, geht er dabei vor und spannt ein weites Panorama auf, bei dem der Untertitel allerdings zu erklären bleibt. Im Kern verfolgt der Autor die Entwicklung der politischen Einheiten, die den Namen Burgund trugen, weswegen er zunächst auf eine Geschichte stößt, die außerhalb des heutigen Belgien liegt.

So geht es im ersten Teil um das früh-, hoch- und spätmittelalterliche Burgund. Ungefähr die 1000 Jahre von 406 bis 1369 werden auf 51 Seiten zusammengefasst, das heißt die Geschichte des Völkerwanderungsreichs, des spätkarolingischen Königreichs und des spätmittelalterlichen Herzogtums – das zum Königreich Frankreich gehörte – sowie die der zum Heiligen Römischen Reich gehörigen Freigrafschaft Burgund.

Es folgen im zweiten Teil ausführlich die ungefähr 100 Jahre des „berühmten“ bzw. „eigentlichen“ Herzogtums Burgund zwischen 1369 und 1477, regiert von einer Nebenlinie der französischen Könige aus dem Haus der Valois, welche als Erben auch die Grafschaft Flandern übernommen hatten.

Zunächst noch ganz auf Frankreich mit seiner Residenzstadt Paris ausgerichtet, stellten sie sich nach einem an Brutalität kaum zu überbietenden Machtkampf am französischen Königshof im Hundertjährigen Krieg kurzfristig auf die feindliche englische Seite und schufen zugleich mit der Übernahme des Erbes der holländischen Wittelsbacher (Holland, Seeland und Hennegau) einen neuen Machtblock.

Zusammen mit den bereits vorher besessenen Ländern hatte dieser Machtblock ein eigenes, bisher nicht gekanntes Gewicht – zeitweise waren die Herzöge die reichsten Fürsten Europas mit der modernsten Artillerie – und erhoben einen Anspruch, der sogar die Schaffung eines neuen Königreichs Burgund in der Mitte Europas einschloss. Abgerundet wurde der Herrschaftsbereich durch die Übernahme weiterer benachbarter Länder: Namur, Brabant, Luxemburg, Geldern, de facto auch des Fürstbistums Lüttich sowie der habsburgischen Vorlande am Oberrhein.

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Der dritte Teil des Bandes gilt den turbulenten Jahren unter Maximilian I. und Maria, der Tochter Karls des Kühnen. Bemerkenswert ist, dass die Landstände, zusammengeschlossen in den länderübergreifenden Generalständen, am Zusammenhalt der burgundischen Länder festhielten und dass so die Einheit des Machtkomplexes trotz heftigster innerer Auseinandersetzungen gewahrt blieb.

Ein neues Königreich Burgund sollte es nicht geben. Am Ende steht ein Ausblick auf den Burgundischen Reichskreis unter den Habsburgern, der nach dem Achtzigjährigen Krieg 1648 aus dem Reich ausschied, nun aber als Republik der Vereinigten Sieben Provinzen, denen die spanischen bzw. seit 1715 die öster-reichischen Niederlande an die Seite zu stellen sind.

Rezension: Prof. Dr. Harm von Seggern

Bart Van Loo
Burgund
D
as verschwundene Reich. Eine Geschichte von 1111 Jahren und einem Tag
Verlag C. H. Beck, München 2020, 656 Seiten, € 32,–.

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