Goez, Elke Mathilde von Canossa - wissenschaft.de
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Goez, Elke

Mathilde von Canossa

Obwohl Mathilde von Canossa die wohl bekannteste Fürstin der Salierzeit ist, gibt es bisher nur eine sehr begrenzte Anzahl von Biographien in deutscher Sprache. Die Mediävistin Elke Goez ist für die Darstellung von Mathildes wechselvollem Leben bestens ausgewiesen, denn sie ist nicht nur als Miteditorin der Urkunden und Briefe der Mathilde (1998) bekannt geworden, sondern auch als Biographin von Mathildes Mutter Beatrix (1995) und als Verfasserin einer Geschichte Italiens im Mittelalter (2010), um nur die Monographien zu nennen. Goez hat damit unter Beweis gestellt, dass sie sich in den Quellen und der Literatur zum italienischen Hochmittelalter bestens auskennt. Zudem formuliert sie flott und unprätentiös.

Die Autorin hat ihre Darstellung als chronologische Abfolge der politischen Ereignisse geschrieben und folgt dabei eng dem Duktus der erzählenden Quellen. Das führt dazu, dass bei ihr wie in diesen Quellen nur sehr wenige Akteure handelnd in Erscheinung treten, nämlich im Wesentlichen Kaiser, Könige und Päpste, die großen Fürsten und einige herausragende Bischöfe.

Immer wieder fehlen daher Aussagen über den gesellschaftlichen Unterbau, dessen Kenntnis zum Verständnis politischer Ereignisse aber unabdingbar ist. Mittelalterliche Gesellschaften waren Klientelgesellschaften, die aus einer Vielzahl sich überschneidender personaler Bindungen bestanden. Mathilde musste wie jede andere große Herrin und genau wie ihre männlichen Standesgenossen Zustimmung und Folgebereitschaft bei allen ihren Leuten immer wieder einfordern und auch durch Geschenke einwerben, und sie musste auch immer wieder unter Beweis stellen, dass sie eine gute und gerechte Herrin war.

Bei Elke Goez stellt sich das alles sehr einfach und mühelos dar, wie überhaupt das Leben Mathildes als Feudalherrin sehr hinter ihrem unbestreitbaren Engagement für die Kirchenreform zurücktritt. Auch mit dieser Gewichtung folgt die Autorin den – durchweg geistlichen – zeitgenössischen Historiographen. Es ist zudem bedauerlich, dass sich der Verlag nicht hat dazu entschließen können, den Band mit Orientierungskarten über die canusinischen Besitzkomplexe auszustatten und ihm eine genealogische Tafel beizugeben.

Rezension: Prof. Dr. Hanna Vollrath

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Goez, Elke
Mathilde von Canossa
Primus, Darmstadt 2012, 240 Seiten, Buchpreis € 29,90
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