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Werner Meyer

Mittelalter, nah an den Menschen

dam0122bue05.jpgNicht nur die Haupt- und Staatsaktionen der Kaiser, Könige und Päpste sollten es sein. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts konzentrierten sich die Interessen am Mittelalter endlich auf Alltagsleben, Mentalitäten und Realien. Werner Meyer gehörte damals zu jenen Antreibern, die über das Korsett der schriftlichen Quellen hinauskommen wollten und dafür vor allem die Mittelalter-Archäologie nutzten.

Mit berechtigtem Stolz verweist er auf seinen Erfolgstitel von 1985 „Hirsebrei und Hellebarde. Auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz“. Diese Gesamtschau war damals so erfolgreich, dass das Buch in der Basler Bibliothek wegen Diebstahlgefahr wie eine mittelalterliche Handschrift mit einer Kette gesichert werden musste.

36 Jahre später legt Werner Meyer nun eine weitergeführte Gesamtdarstellung vor. Fast unmerklich ist hier das erste Titelwort von Hirsebrei zu Haferbrei verwandelt. Das neue Buch ist vom Verlag famos ausgestattet und zeichnet sich durch die geschickte Verknüpfung von Darstellung, Abbildungen und markanten Quellenzitaten aus. Eindrucksvoll tritt die Kennerschaft des Autors mit Fokus auf der sensationellen schweizerischen Überlieferung hervor, immer wieder angereichert durch Beispiele und Befunde vor allem aus Mittel- und Westeuropa.

Nur vereinzelt geht der Verfasser an die Ränder Europas, die in der Mediävistik mit ihrer aktuellen Konzentration auf religiöse Gewalt und konkurrierende Monotheismen derzeit viel Aufmerksamkeit finden.

Das Buch präsentiert Mittelalter in seiner Vielfalt, Andersartigkeit und Buntheit. Es überrascht mit guten Bildern von wenig bekannten Burgen oder Burgwüstungen etwa aus Graubünden. Die Kapitelüberschriften zeigen, wie hier eine große Fülle von Vergangenheit eingefangen wird: Wildnis und Wohnlichkeit, Herrschaft und Gesellschaft, Alltagsleben, Zeitalter des Glaubens, Fest, Recht und Gewalt, Krieg und Frieden. Nicht ganz einsichtig ist, warum der Untertitel Alltag und Krieg gegeneinanderstellt, denn die einschlägigen Kapitel erweisen ja die Alltäglichkeit von Gewalt und Krieg.

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Dieses eindrucksvolle Buch geht über die Darstellung des mittelalterlichen Lebens in der Schweiz von 1985 hinaus. Die Literaturangaben dokumentieren freilich ein Verharren im mediävistischen Aufbruch des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Bei der ausgewählten Einstiegsliteratur fällt die dezidierte Konzentration auf das 20. Jahrhundert auf. Aus den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts sind nur sieben Titel genannt, der neueste von 2005. Nur in den einzelnen Kapiteln wird punktuell der gegenwärtige Forschungsstand dokumentiert.

Aktuell sind dagegen Meyers anregende Überlegungen zum schwierigen Einstieg ins (ferne) Mittelalter und seine Schlussbetrachtung zum Klischee des „finsteren Mittelalters“. Der Perspektivenwechsel, wie denn mittelalterliche Menschen unsere Gegenwart begreifen würden, regt zum Nachdenken an, was wir aus Geschichte machen und was spätere Generationen mit uns machen werden.

Rezension: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller

Werner Meyer
Haferbrei und Hellebarde
Leben im Mittelalter zwischen Alltag und Krieg
Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim am Rhein 2021, 351 Seiten, € 29,–

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