Fuchs, John Andreas/Neumann, Michael (Hrsg.) Mythen Europas – Schlüsselfiguren der Integration. Moderne - wissenschaft.de
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Fuchs, John Andreas/Neumann, Michael (Hrsg.)

Mythen Europas – Schlüsselfiguren der Integration. Moderne

Was lässt einen Menschen zum Mythos werden – schon für seine Zeitgenossen? Dieser Frage gehen Fachleute anhang bekannter Gestalten des 20. Jahrhunderts im siebten und letzten Band der Reihe „Mythen Europas“ nach. Im Gegensatz zu den anderen sechs Bänden sind die Menschen jedoch keine Legenden einer längst vergangen Zeit, sondern sind ein Teil der Vergangenheit der wohl meisten Leser.

In den zehn Einzelbeiträgen geht es weniger um die Biographien der Personen, die als „Schlüsselfiguren der Imagination“ angesehen werden, als vielmehr um ihre emotionale Wirkung, die sie damals und heute auf Menschen ausübten. Die Beschäftigung mit modernen Mythen wie Che Guevara, Asterix der Gallier, Madonna, John F. Kennedy, Albert Einstein und Picasso soll folgende Fragen klären: „Welche Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Konflikte haben Menschen in eine bestimmte Figur projiziert? Warum gewinnt gerade diese Figur zu dieser Zeit solch dringliche Aktualität? Welche Strategien der Idealisierung, Identifikation, Projektion oder Kompensation, provozierte, befriedigte oder kanalisierte sie in den Menschen?“

Bei John F. Kennedy trug zum Beispiel sein früher und gewaltsamer Tod erheblich zur Mythenbildung bei – die er schon zu Lebzeiten gezielt zu seinen Zwecken einsetzt. Geschickt bediente er sich der Medien, insbesondere des Fernsehens, um dem Bild eines strahlenden, tatkräftigen und jungen Abenteurers gerecht zu werden, obwohl er wegen seinen schweren und vor der Öffentlichkeit geheim gehaltenen Krankheiten von ständiger ärztlicher Betreuung abhängig war. Der Autor des Beitrags, Winfried Fluck, spannt vom Kennedy Mythos aus einen Bogen zum aktuellen Barack-Obama-Mythos, der sich im Wahlkampf teilweise an der Inszenierung Kennedys orientierte. Der Beitrag zu Asterix zeigt, wie der kleine Gallier und sein Freund Obelix aus dem unbesiegbaren Dorf in der Bretagne zur Projektionsfläche der Sehnsüchte der Machtlosen im Kampf gegen die Mächtigen werden, seien es die Bürokratie oder die Politik. Bernd Dolle-Weinkauff analysiert in seinem Beitrag insbesondere die komische Dimension des französischen Comics, seine zahlreichen Anachronismen und die intertextuellen und intermedialen Bezüge. So etwa im Comic „Asterix und Kleopatra“, in dem letztere deutlich die Züge von Liz Taylor trägt, der Kleopatra aus Carlos Maria Franzeros Filmepos.

Wer sich schon länger mit einer der im Buch vorgestellten Persönlichkeiten beschäftigt hat, wird zwar nicht mehr viel Neues erfahren. Für Einsteiger ist es aber durchaus ein unterhaltsames Buch, das zeigt, um es in den Worten des Dichters Reinhold Schneider auszudrücken, dass „die Schatten und großen Bilder in der Geschichte“, oft weit mächtiger wirken, „als die Menschen aus Fleisch und Blut.“

Rezension: Carmen Fischer

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Fuchs, John Andreas/Neumann, Michael (Hrsg.)
Mythen Europas – Schlüsselfiguren der Integration. Moderne
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009, 214 Seiten, Buchpreis € 26,90
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