Jodi Magness Mythos Masada - wissenschaft.de
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Jodi Magness

Mythos Masada

Masada, die berühmte Palastfestung am Toten Meer, ist ein Mythos. An diesem Platz organisierten 967 Juden, die sich dort gegen die Römer verschanzt hatten, ihre Selbsttötung. Erst mit diesem Kollektivselbstmord und nicht mit der Tempelzerstörung von 70 n. Chr. wurde der Jüdische Krieg (66 – 74 n. Chr.) beendet. Diesen verzweifelten Aufstand von Juden gegen die Römer beschrieb wenige Jahre später der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus in einem großen Werk, und darin ist auch ausführlich von Masada und dem Massenselbstmord die Rede.

Ist der Bericht glaubwürdig? Man zweifelt daran. Aber wie auch immer, Masada ist bis heute ein Symbol für den unbeugsamen Freiheitswillen des jüdischen Volkes bis in den Tod, und über solcher Symbolhaftigkeit kann die historische Wirklichkeit ins Hintertreffen geraten.

Das Buch der amerikanischen Archäologin Jodi Magness über Masada, das nun in einer gelungenen deutschen Übersetzung von Thomas Bertram vorliegt, ist jedem ans Herz zu legen, der sich aus erster Hand informieren will. Die Autorin ist seit 1995 in Masada als Ausgräberin vor Ort tätig. Sie gibt faszinierende Einblicke in die Geschichte dieser Festung. Das Buch glänzt auch mit hervorragenden Karten und Farbbildern, die man so nur selten sehen kann.

Die spannendsten Teile des Bandes sind die Kapitel, in denen die Archäologin und Kennerin des Judentums spricht. Die vielfältigen Funde, die Ruinen, die Schriftzeugnisse, die naturwissenschaftlichen Informationen, die Archäologie des Toten Meeres, all das tritt plastisch vor das Auge des Lesers, als sei er selbst dabei.

Der bekannteste Ausgräber der Stätte, Yigael Yadin, der aus politischen Gründen die Masada-Juden als Zeloten (Eiferer), nicht Sikarier (Messerstecher) bezeichnete, und alle anderen Masada-Forscher und Forscherinnen – zu denen auch seine Studentin Jodi Magness gehört – werden in ihrer rastlosen Arbeit lebendig beschrieben.

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Nebenbei wird deutlich, wie wichtig die Ausgrabungen in Masada für die Gesellschaft und die Politik Israels bis heute sind, und jede einzelne Fundbeschreibung legt Rechenschaft darüber ab. Die Verfasserin ist eine Meisterin darin, ihre Leser mitzunehmen, wenn ein Fund und seine Deutung diskutiert werden. Weniger stark sind die Kapitel über die historische Entwicklung; so bleibt die geschichtliche Analyse der Hasmonäer oder des Herodes eher blass, und auch Flavius Josephus wird nicht ganz so anschaulich behandelt.

„Masada darf nie wieder fallen“ – dieser Mythos gab Israel im 20. Jahrhundert eine Identität; er gab Hoffnung, weil er trotz aller Zweifel an der Historizität in bedrohten Zeiten vorbildhafte, unbeugsame Juden zeigte. Lange Zeit noch wurden die israelischen Rekruten auf dem Masada-Plateau vereidigt. Yadins Anteil an dieser Mythisierung war gewollt. Israel änderte sich zwar, aber auch heute ist Masadas Mythos nicht verblasst, nicht für Touristen und nicht für die auswärtigen Staatsgäste, die Israel besuchen. Davon und von vielem anderen berichtet dieses hervorragende Buch, das sehr zu empfehlen ist.

Rezension: Prof. Dr. Ernst Baltrusch

Jodi Magness
Masada
Der Kampf der Juden gegen Rom
wbg Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2020, 400 Seiten, € 36,–

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