Adam Zamoyski Napoleon und seine Zeit - wissenschaft.de
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Adam Zamoyski

Napoleon und seine Zeit

„Französische Revolution“, „Napoleon“: Zurecht werden bei diesen Begriffen zuerst die weltgeschichtlichen Umbrüche in Politik und Gesellschaft bedacht, die – ausgelöst durch den Sturz der französischen Monarchie und Napoleons Kaiserherrschaft – in weiten Teilen Europas stattfanden. Auch wenn daher politische Strukturen und gesellschaftliche Dynamiken oft im Zentrum der Betrachtung dieser Epoche stehen, bietet sie sich zugleich besonders dafür an, aus der Sicht der damaligen Akteure nacherzählt zu werden. Denn damals fand auch ein außergewöhnliches menschliches Schauspiel statt, in dem „große Einzelne“ wie Napoleon den Versuch unternahmen, die Geschichte zu lenken, und dem es an Dramatik (und Tragik) nicht mangelte.

Zu Napoleons diesjährigem 250. Geburtstag hat Adam Zamoyski, der bereits mit seinen Büchern zu den Jahren 1812 und 1815 Erfolge erzielte, eine Napoleon-Biografie verfasst, in der er dieses Drama mit Napoleon in der Rolle des Protagonisten erzählt. Dabei ist es Zamoyskis erklärtes Ziel, Napoleon als „Kind seiner Zeit“ und „Inbegriff seiner Epoche“ verständlich zu machen.

Zamoyski strukturiert seine Darstellung chronologisch: Dem Verlauf der Jahre folgend, schildert er Napoleons Leben von seiner Kindheit und Erziehung bis hin zu seinem Exil und Tod. Zamoyskis Darstellung ist dabei von einer Lebhaftigkeit geprägt, die es dem Leser oftmals erlaubt, in die Geschehnisse einzutauchen. Denn der Autor greift hauptsächlich auf die Memoiren der damaligen Akteure und Zeitzeugen zurück, um daraus seine eigene detailreiche Erzählung zu flechten. Neben Napoleons eigener Sichtweise kommt so auch die Wahrnehmung derjenigen zu Sprache, die in seinem näheren Umfeld waren. Der Autor ist dabei umsichtig genug, sich weder von Napoleons eigener Propaganda, noch von den Verleumdungen seiner Feinde blenden zu lassen, sondern es gelingt ihm ein ausgewogenes Bild der Epoche. 

Diese unterhaltsame und eindrucksvolle Erzählweise macht das Buch zwar zu einem Lesevergnügen, ist aber zugleich auch seine größte Schwäche. Während nämlich das Geschehen aus nächster Nähe verfolgt wird, bleibt die Sicht auf die übergeordneten Prozesse und Dynamiken der Zeit unscharf. Napoleons Entscheidungen werden so hauptsächlich mit Hilfe seiner eigenen Wesensart erklärt, die ihn zu seinen Handlungen gedrängt haben soll. Die Frage, ob darüber hinaus noch andere, nicht an seine Person gebundene, Gründe für sein Handeln existierten, wird ausgeklammert. Symptomatisch hierfür ist, dass Zamoyski mit dem Tod Napoleons auch den Schlusspunkt seiner Erzählung setzt: Eine abschließende Würdigung Napoleons als weltgeschichtliche Figur, eine Reflexion über seine Taten und deren Wirkung auf die Epoche unterlässt der Autor. Durch Zamoyskis spannende, zuweilen fesselnde Biografie erfährt der Leser vieles über Napoleon und seine Zeit, bekommt aber leider zu wenig erklärt.

Rezension: Damian Kozuch

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Adam Zamoyski
Napoleon. Ein Leben
Verlag C.H. Beck, München 2018, 863 Seiten, 29,95 €

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