Osterloh, Jörg/Vollnhals, Clemens (Hrsg.) NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit – Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Osterloh, Jörg/Vollnhals, Clemens (Hrsg.)

NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit – Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR

Mit den Dachauer Prozessen begann im August 1945 eine lange Phase der juristischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen. Vor allem in der Anfangszeit, unter Kontrolle der Alliierten, war deren erklärtes Ziel nicht nur die Bestrafung der Verantwortlichen, sondern auch die Aufklärung der deutschen und internationalen Bevölkerung über die NS-Verbrechen. Durch die öffentliche Verbreitung von Prozessmaterial wie Zeugenaussagen und Bildern wollte man die Bevölkerung einer „Schocktherapie“ unterziehen und einen Lernprozess in Gang setzen.

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Prozesse war jedoch zu keinem Zeitpunkt homogen und veränderte sich vor allem über die Zeit hinweg stark. Dies zeigen 20 Autorinnen und Autoren in dem detailreichen und informativen Sammelband „NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit. Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR“ auf. Besonders der Ansatz, Unterschiede und Wechselwirkungen der NS-Prozesse zwischen Ost und West darzulegen, ist als lobenswert hervorzuheben und durchaus gelungen. Dabei wird der Fokus weniger auf die Prozesse selbst, als auf deren „Rezeption in der Berichterstattung der Medien und ihren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der nationalsozialistischen Vergangenheit“ gelegt.

So führt beispielsweise der Dresdener Historiker Mike Schmeitzner aus, dass eine große Anzahl der Prozesse in der SBZ unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand und lediglich propagandistisch verwertbare Fälle inszeniert wurden, die die Ernsthaftigkeit sowjetischer Entnazifizierung unter Beweis stellen sollten. Welche Auswirkungen dieser Umgang mit NS-Prozessen auf die Meinung der Bevölkerung zum Nationalsozialismus hat, ist jedoch schwer zu sagen, da in der SBZ keine repräsentativen Befragungen zu diesem Thema durchgeführt wurden und die Presse der politischen Zensur unterworfen war.

Peter Krause von der Universität Konstanz beschäftigt sich mit der Wirkung des Jerusalemer Eichmann-Prozesses im Jahr 1961. Dieser fand einen enormen Widerhall in der deutschen Presse und führte in der Bundesrepublik zu einer tiefen Verunsicherung über die Frage der Schuld des Einzelnen. Er kann deshalb als frühes Schlüsselereignis der Vergangenheitsbewältigung gelten. Dass diese jedoch auch in der BRD weniger geradlinig verlief als oft angenommen und generell ein langwieriger, intensiver und schmerzvoller Prozess war, machen weitere Beiträge im Sammelband deutlich.

Rezension: Jette Nagel

Anzeige

Osterloh, Jörg/Vollnhals, Clemens (Hrsg.)
NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit – Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, 456 Seiten Seiten, Buchpreis € 62,95
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Va|ris|tor  〈[va–] m. 23; El.〉 spannungsabhängiger Widerstand, der zur Stabilisierung der Spannung eingesetzt wird [<lat. varius ... mehr

Trom|mel  〈f. 21〉 1 〈Mus.〉 Schlaginstrument mit zylindrischen, an beiden Seiten mit Kalbfell bespanntem Resonanzkörper 2 walzenförmiger Teil einer Maschine od. eines Gerätes (Revolver~, Sieb~, Wäsche~) ... mehr

tr  〈Mus.; Abk. für〉 Triller

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige