Christopher de Hamel Pergament – einzigartig - wissenschaft.de
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Christopher de Hamel

Pergament – einzigartig

Pracht_und_Anmut_von_Christopher_HamelDie Kulturwissenschaften haben zum Glück die Kraft der Dinge neu entdeckt – diese gewinnen wieder Macht über ihre Schöpfer. Herausragende Handschriften rühren in ihrer Einzigartigkeit die Betrachtenden an und künden von den Mühen längst vergangener Schreiber oder Maler. Der Wert einer Handschrift – ob Verkaufspreis oder Versicherungssumme – bleibt unbestimmbar. Handschriften sind nämlich stets Unikate, weder durch Faksimiledrucke noch durch Fotos zu ersetzen.

Der Autor dieses großartigen Buchs ist einer der besten Kenner mittelalterlicher Handschriften. Über ein Vierteljahrhundert prägte er die Auktionen von So-theby’s in London und überzeugte den Kunstmarkt durch Beschreibungen und Taxierungen. Seit 2000 wirkte er als Bibliothekar an einer der berühmtesten Handschriftensammlungen in Großbritannien. Kaum jemand beherrscht Handschriftenvermarktung und Handschriftenforschung besser als er.

Aus der Fülle berühmter Manuskripte wählt er für dieses schöne Buch zwölf Beispiele aus, die vom 6. bis zum 16. Jahrhundert entstanden sind: das „Augustinus-Evangeliar“ im Corpus Christi College Cambridge, den „Codex Amiatinus“ in der Biblioteca Laurenziana Florenz, das „Book of Kells“ im Trinity College Dublin, die „Aratea“ in der Universiteitsbibliotheek Leiden, den „Beatus“ in der Morgan Library New York, den „Petrus Pictor“ in der Bodleian Library Oxford, den „Psalter“ in der Kongelige Bibliotek Kopenhagen, die „Carmina Burana“ in der Bayerischen Staatsbibliothek München, das Stundenbuch der Johanna von Navarra in der Bibliothèque nationale de France Paris, den „Hengwrt-Chaucer“ in der National Library of Wales Aberystwyth, den „Visconti-Semideus“ in der Russischen Nationalbibliothek Sankt Petersburg und das „Spinola-Stundenbuch“ im J. Paul Getty Museum Los Angeles.

Christopher de Hamel zieht die Leser in die Begegnung mit Spitzenstücken europäischer Handschriftenkultur geradezu hinein und macht sie zu Gesprächspartnern. Zum Blick auf Schönschrift oder Miniaturen tritt die Entdeckung des natürlichen Beschreibstoffs, von Löchern oder Nähten im Pergament. Bisweilen entwickelt sich die Geschichte der Handschriften zur gefahrvollen Reise durch die Jahrhunderte, stets von der Hochachtung vieler Generationen begleitet. So begegnen wir den Besitzern, Sammlern und Forschern.

Wir lernen Handschriftensammlungen als Schatzhäuser kennen, ihre Geschichte wie ihre aktuelle Wirklichkeit. Beständig gewährt der Verfasser Anteil an persönlichen Eindrücken, an seinen Reisen und an seiner Begeisterung. Wir lesen, wie er an Ampeln in New York über das Ende der Zeiten nachdachte und wie sich ein Papst vor ihm verbeugte, als er ihm die Cambridger Augustinus-Handschrift präsentierte.

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Der Verlag wählte für die deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels „Meetings with Remarkable Manuscripts“ den Titel „Pracht und Anmut“. Das ist schade, weil der Autor die Handschriften doch zum Gespräch einladen wollte. Wer seiner faszinierenden Darstellung folgt, der versteht die Aufforderung am Schluss des Petersburger Kodex’: „Mögest du glücklich lesen – lege feliciter“.

Rezension: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller

Christopher de Hamel
Pracht und Anmut
Begegnungen mit zwölf herausragenden Handschriften des Mittelalters.
C. Bertelsmann Verlag, München 2018, 751 Seiten, € 48,–

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