Brakelmann, Günter Peter Yorck von Wartenburg – 1904 –1944. Eine Biographie - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Brakelmann, Günter

Peter Yorck von Wartenburg – 1904 –1944. Eine Biographie

Nicht umsonst beginnt das Buch von Günter Brakelmann über Peter Yorck von Wartenburg mit dessen Vorfahren Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759–1830). Dieser hatte 1812 eigenmächtig die von ihm befehligten preußischen Truppen, die bis dahin an der Seite Frankreichs gekämpft hatten, in der Konvention von Tauroggen für neutral erklärt und damit Preußens Befreiung von Napoleon eingeleitet. Das Erbe dieses Generalfeldmarschalls war in der Familie stets präsent und bedeutete für die Nachfahren die Verpflichtung zu vernunftgeleitetem Handeln nach hohen moralischen Grundsätzen.

Der Familientradition folgend, trat der promovierte Jurist Peter Yorck 1930 in den Staatsdienst ein. Im selben Jahr heiratete er Marion Winter – auch sie hatte in den Rechtswissenschaften promo‧viert – mit der er eine sehr glückliche Ehe führte und die seine Überzeugungen teilte. Anders als seine späteren Mitstreiter Helmuth James von Moltke und Adam von Trott zu Solz hatte Yorck zunächst keine Bedenken, auch dem nationalsozialistischen Staat zu dienen, ohne jedoch Nationalsozialist zu sein.

Aber jedem, der sehen wollte, konnte der Unrechtscharakter des Regimes nicht verborgen bleiben. Die Reichspogromnacht von 1938 war für Yorck dann nur noch der letzte Anstoß, seinen Abscheu in konkretes Handeln umzusetzen. Er suchte Gleichgesinnte, mit denen er ein neues Deutschland nach Hitler plante. Erst 1940 tat er sich mit Moltke zusammen, und beide bauten auf, was die Gestapo später als Kreisauer Kreis bezeichnete. Nach der frühen Verhaftung Moltkes unterstützte Yorck Claus Schenk Graf von Stauffenberg und wurde als Mittäter des 20. Juli am 8. August 1944 hingerichtet.

Der Theologe und Historiker Günter Brakelmann setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus auseinander. Es gelingt ihm in vorzüglicher Klarheit, das Programm, die Gedankenwelt und den geistig-moralisch, stark christlich geprägten Hintergrund der Kreisauer darzustellen. Damit legt er ein eminent politisches Buch vor, das uns die uner‧hörte Aktualität der Kreisauer Ideen anschaulich vor Augen führt.

Wir erfahren aber auch etwas über Peter Yorcks Familie, seine enge Bindung an die Mutter, an die Schwestern und über den Streit mit seinem ältesten Bruder. Es ist Brakelmanns großes Verdienst, in mühevoller Detektivarbeit doch noch Briefe Yorcks entdeckt zu haben, denn dessen umfangreiche Korrespondenz war 1945 aus Sicherheitsgründen verbrannt worden. In den Briefen tritt uns Peter Yorck als ein sehr empfindsamer, mitfühlender, liebender Mann entgegen; sie sind sehr anrührend zu lesen. Die historisch abstrakte Figur des Widerstandskämpfers gewinnt hier endlich Gestalt.

Anzeige

Rezension: Dr. Frauke Geyken

Brakelmann, Günter
Peter Yorck von Wartenburg – 1904 –1944. Eine Biographie
Verlag C. H. Beck, München 2012, 336 Seiten, Buchpreis € 24,95
Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Spi|nat  〈m. 1; unz.; Bot.〉 als Blattgemüse angebaute Pflanze mit kräftigen grünen Blättern: Spinacia oleracea (Blatt~) ● fein, grob gehackter ~; ~ mit Spiegeleiern [<arab. isfinag ... mehr

Me|di|en|ge|setz  〈n. 11〉 Gesetz zur Regelung der Angelegenheiten der Massenmedien

Schwan|ger|schaft  〈f. 20〉 Sy Gravidität 1 Zeitabschnitt von der Befruchtung der Frau bis zur Geburt des Kindes ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige