De Vecchi, Pierluigi Raffael - wissenschaft.de
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De Vecchi, Pierluigi

Raffael

Daß ein Buch über Raphael mit diesem Thema, diesem Format und diesem Umfang „schön“, das heißt mit eindrucksvollen Illustrationen zur gesamten malerischen Produktion des Künstlers und zu seinen wichtigsten Zeichnungen ausgestattet ist, versteht sich eigentlich von selbst. Doch ist es auch, um es etwas zu vermenschlichen, auch „klug”? Ein weiterer der vielen Bildbände, die als Souvenir oder Bildungstrophäe im Bücherregal verstauben, ist es gewiß nicht, sondern eine ausführliche und anspruchsvolle Biographie, die Geschichte eines 37 Jahre dauernden Künstlerlebens in einer Zeit, welche die Kunstgeschichte „Hochrenaissance” getauft hat. Pierluigi De Vecchi erzählt diese kurze, aber intensive Vita sehr sorgfältig, auf der Grundlage der relativ wenigen erhaltenen Primärdokumente (Zahlungsanweisungen, Briefe etc.) sowie natürlich vor allem der eingehend beschriebenen Werke – und zugleich etwas einseitig. So sehr sich der Autor auch um die Einbettung seines Themas in übergeordnete historische Zusammenhänge bemüht – dieser „zeitgeschichtliche” Hintergrund, der nur im Falle von Raffaels „Ausgangsmilieu“ Urbino eingehender umrissen wird, bleibt im wesentlichen Staffage, bildet einen Teil der glücklichen Auspizien, unter denen sich die Entwicklung eines Genies vollzieht. Daß Raffael– um es bewußt schneidend scharf zu formulieren – nicht zuletzt ein begnadeter „Gebrauchskünstler” war, der wie kein anderer Propaganda in Bildbotschaften zu kleiden vermochte, über diese andere Seite der Renaissance und ihrer Kunst erfährt man allenfalls Beiläufigkeiten, im Falle der Vatikanischen Stanzen zum Beispiel kurze Hinweise auf die politischen und kirchlichen Verwicklungen der Jahre 1509 bis 1512. Fazit: auch wenn die hinderliche Disziplingrenze zwischen Geschichte und Kunstgeschichte kaum überschritten wird, hat De Vecchi ein nicht nur opulentes, sondern auch intelligentes Buch vorgelegt.

Rezension: Reinhardt, Volker

De Vecchi, Pierluigi
Raffael
Hirmer Verlag, München 2002, 384 Seiten, Buchpreis € 1,25,00
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