Mary Shelley Reisen in bewegter Zeit - wissenschaft.de
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Mary Shelley

Reisen in bewegter Zeit

dam0718bue08.jpgDie englische Schriftstellerin Mary Shelley, Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des Sozialphilosophen und Begründers des politischen Anarchismus William Godwin, ist durch ihren Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ berühmt geworden. Weniger bekannt ist, dass sie auch zahlreiche weitere Romane, Biographien, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte hinterlassen hat. Ihre letzte Publikation sind Reiseerinnerungen, die zweibändig unter dem Titel „Rambles in Germany and Italy in 1840, 1842 and 1843“ 1844 erschienen und jetzt dankenswerterweise auch auf Deutsch vorliegen. Die schön bebilderten Bücher laden zur Mitreise ein.

Mary Shelley fuhr nicht zum ersten Mal nach Italien, und sie tat dies nicht allein, sondern mit ihrem 18-jährigen Sohn Percy Florence und mit einigen von dessen Universitätsfreunden. „Deutschland“ und „Italien“, das bezeichnet nur sehr ungenau die mäandernde Reiseroute der Gruppe, die nach heutigen Grenzen auch Frankreich, die Schweiz, Belgien, Tschechien und Österreich besuchte. Längere Zeit verbrachte man unter anderem am Comer See, in Bad Kissingen, wo man kurt, in Berlin und Dresden, dann vor allem in Italien.

Begeistert berichtet Shelley etwa von Fahrten auf der lieblichen Mosel und dem „stolzen“ Rhein, wäre am liebsten monatelang in Heidelberg geblieben, (nicht aber im „schäbigen“ Baden-Baden). Ihre Auswahlkriterien sind klar: Romantisch soll es sein, andere Städte findet sie zwar modern, aber langweilig. Wie heutige Touristen besucht sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, ist jedoch auch betroffen von der Armut der Landbevölkerung in so mancher Region. Mit spitzer Feder bemerkt Shelley Landestypisches: Die Angewohnheit, um ein Uhr ausgiebig Mittag zu essen, sei ein Grund „für das häufige Übergewicht“ bei den Deutschen.

Italien aber ist nicht nur Mary Shelleys Sehnsuchtsziel – hier schwelgt sie in den Schönheiten, die Venedig oder Florenz zu bieten haben –, sondern es ist auch das Land, das sie am stärksten bewegt. Nicht nur, dass sie dort früher Schmerzlichstes erlebt hatte – ihr Mann und zwei ihrer Kinder waren dort gestorben –, sie möchte mit ihren Texten mehr „Aufmerksamkeit und Mitgefühl für das Ringen“ eines Landes erzeugen, „das das glanzvollste und unglücklichste der Welt“ sei. Shelley bezieht sich hier auf die österreichische Herrschaft über Oberitalien, der die Italiener einen Kampf für die Freiheit und gegen „Aberglauben, Luxus, Unterwürfigkeit, Trägheit, Gewalt und Laster“, wie sie es nennt, entgegensetzten. Auch einen gewaltsamen politischen Umsturz hält sie angesichts der Unterdrückung der Freiheit im Land für gerechtfertigt. Hier erweist sie sich ganz als Tochter ihrer Eltern und Nonkonformistin.

Rezension: Dr. Heike Talkenberger

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Mary Shelley
Streifzüge durch Deutschland und Italien
In den Jahren 1840, 1842 und 1843
2 Bände, Corso Verlag im Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017 und 2018, insgesamt 512 Seiten, je € 24,–

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anal  〈Adj.; Anat.〉 den After betreffend, in seiner Nähe liegend ● ~e Phase〈Psychoanalyse〉 frühkindliches Entwicklungsstadium, in dem das Kind Interesse am eigenen analen Körperbereich zeigt ... mehr

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