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Michael Sommer

Rom gegen Karthago

dam0721bue01.jpgSchon oft behandelt, doch immer wieder faszinierend sind die Kriege Roms gegen Karthago, die, der Perspektive der römischen Sieger folgend, als „Punische Kriege“ in die Geschichte eingegangen sind. Sie führten in drei großen Auseinandersetzungen zwischen 264 und 146 v. Chr. zur „Wachablösung“ im westlichen Mittelmeerraum und ebneten Rom den Weg zur Weltmacht. Während der Kriege kam es zu spektakulären Vorgängen wie Hannibals legendärem Alpenübergang mit Elefanten oder der Zerstörung der Stadt Karthago durch den römischen Feldherrn Scipio.

Der Oldenburger Althistoriker Michael Sommer, der bereits mit vielen wichtigen Büchern zur antiken Geschichte hervorgetreten ist, hat nun eine umfassende Darstellung jener Ereignisse vorgelegt, die das Gesicht der antiken Welt veränderten. Der Autor wendet sich mit seinem Buch an „Antike-Enthusiasten und alle, die es werden wollen“. Alle, die bereits Enthusiasten sind, werden es nach der Lektüre bleiben. Und jene, die es noch nicht sind, könnten es werden, wenn sie den Einstieg in diesen Status mit einem Buch wagen wollen, das viel will, viel bietet, aber auch einiges verlangt.

So finden sich akribische Beschreibungen des kriegerischen Geschehens, subtile Analysen der Quellen, politische und kulturelle Hintergründe, gesamtpolitische Konstellationen von Spanien bis nach Ägypten, die Folgen der Kriege, ihre Bedeutung, ihre Rezeption, die weitere Geschichte Karthagos bis zur arabischen Eroberung, dazu übergreifende Fragestellungen, zentrale Leitbegriffe sowie Reflexionen über das Wesen von Kriegen an sich. Hinzu kommt eine ambitionierte, an der Elementenlehre orientierte Kapiteleinteilung: Asche (statt Luft), Wasser, Erde und Feuer, plus „Präludium“ und „Interludien“.

Eine komplette Neubewertung der römisch-karthagischen Kriege kann und will das Buch nicht liefern. Doch bietet es überzeugende Antworten auf immer wieder gestellte Fragen: Wie kam es zu den Konflikten? Wer trug die Verantwortung? Was waren Hannibals Ziele im zweiten Punischen Krieg? Das Buch präsentiert kluge Erklärungen für den Umstand, dass sich im Kampf der Supermächte letztlich Rom und nicht Karthago durchsetzte: Die „Tiberrepublik“ (so eine vom Autor favorisierte Formulierung) profitierte von der Konkurrenz der Eliten und von deren Fähigkeit, sich in schwierigen Situationen wie den Kriegen gegen Karthago zu solidarisieren. Nach dem Sieg entwickelte Rom eine Dynamik der Macht, der die anderen Staaten und Völker der Mittelmeerwelt nichts entgegenzusetzen hatten.

„Schwarze Tage“ ist glänzend geschrieben und vermischt gekonnt konventionelle Formen der Stilistik mit pointiert-lebendiger Schreibweise. Von „Shuttlediplomatie“, „Integrationsweltmeistern“ oder „Undercovermission“ ist jedenfalls nicht in jedem modernen Geschichtswerk die Rede.

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Rezension: Prof. Dr. Holger Sonnabend

Michael Sommer
Schwarze Tage
Roms Kriege gegen Karthago
Verlag C. H. Beck, München 2021, 368 Seiten, € 26,95

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